Good vibrations

Ich bin beeindruckt! Beeindruckt von der türkischen Gastfreundschaft und der Herzlichkeit dieser Menschen hier. Jedoch nehmen aus meiner Sicht die Religion und der Nationalismus eine zu große Rolle im gesellschaftlichen Leben ein. Nach 4 Tagen an Istanbul verlief unsere Reise wie folgt:

Um dem Verkehrschaos zu entkommen, beschließen wir Istanbul mit der Fähre zu verlassen. Das erspart uns eine Menge Stress und ist nebenbei eines meiner Lıeblıngsverkehrsmıttel. Auf dem Bosporus treibend, zieht rechts und links die Mıllıonenmetropole an uns vorbei. Die steilen Hügel auf beiden Seiten geben uns eine Vorahnung auf die Landschaft und den Anstrengungen der zukünftigen Wochen. Es ist schon etwas spät als wir die Fahre verlassen und wir wissen dass wir nur eine gute Stunde haben, um eınen geeıgnete Schlafplatz zu fınden. Es geht gleıch mıt eıner Streıgung von 10% 150 Meter den Berg hinauf. Nach 100 Metern brauchen wir eine kurze Pause. Wir sind wohl das Fahrradfahren nicht mehr gewohnt. Und schon sind wir wieder umgeben von jungen Erwachsenen, die ein Bild mit und von uns machen wollen.

Wir können uns nicht lange mit ihnen unterhalten und schwingen uns wieder auf die Fahrräder. Es wird dunkel und noch immer sind wir mitten in Wohngebiete. Bei Dunkelheit und Verkehr macht es weniger Spaß und müde bin ich auch noch, da ich im Hostel nicht so gut schlafen kann. Doch wir haben Glück und finden nach weiteren 30 Minuten ein kleines Waldstück, in dem wir unser Zelt aufbauen können. Ich will mich gerade schlafen legen, da ertönt wieder der Gesang des Muezzins.

Wir haben es langsam raus, wann sich der Muezzin meldet ( morgens um 5, mittags um 1, 17Uhr, 19.00 Uhr, 22.00Uhr) Im  Laufe der Reise mache ich 3 Phasen in meiner persönlichen Beziehung zum Gesang durch:

  1. Phase: Es ist was Neues und irgendwie ist es spannend
  2. Phase: Es geht mir gehörig auf den Wecker und regt mich auf, wenn mein fiel benötigter Schlaf gestört wird (vor allem im Ramadan, aber dazu später mehr)
  3. Phase: Ich ignoriere weitestgehend den Gesang. Er singt halt einfach 5 Mal am Tag.

Am nächsten Tag geht es weiter an die Schwarzmeerküste. Immer wieder hoch und runter. Auf kleineren Straßen fortbewegend genießen wir die Sonne, die neuen Eindrücke der kleinen türkischen Dörfer und die Ruhe auf den Straßen. Wir sehen unglaublich schön möglichen Campingplatze, sind aber noch zu wenig gefahren um schon anhalten zu wollen. Später finden wir sicher noch etwas. Pedro rettet eine Schildkröte auf der Straße und wenig später bemerkt er, dass er nur noch wenig Luft im Reifen hat. Anhalten, Reifen flicken und weiter gehts. Es wird nun wieder Abend und wir suchen einen Platz zum Übernachten. Aber wir brauchen noch Wasser, somit halten wir Ausschau nach öffentlichen Trinkwasserstellen (von denen es fast in jedem Dorf eine gibt), können aber nach 30 Minuten immer noch keine finden. Wir brauchen Wasser und halten an einem kleinen Lebensmittelladen an, vor dem türkische Männer ihren Tee schlürfen. Ich frage nach, ob es irgendwo eine öffentliche Wasserstelle gibt. Ich weiß nicht, was er verstanden hat, aber er kommt mit einem 5 Liter Wasserkanister heraus. Ich will bezahlen, aber er verneint, schenkt uns das Wasser und ladet uns zum Tee ein. Wir müssen eigentlich einen Schlafplatz finden, aber wir können natürlich seine Einladung zum Tee nicht ausschlagen. Sie können kein Englisch, wir kein Türkisch. Optimal für ein Gespräch! Man unterhält sich wieder mit Händen und Füssen. Die Anzahl der Männer steigt, die sich für die Reisenden interessieren. Ich lerne einen 94 Jahre alten ehemaligen deutschen Gastarbeiter kennen, mache später aber dann deutlich, dass wir nicht für einen weiteren Tee bleiben können. Wieder wird es langsam dunkel und auch in dieser Gegend ist es auf einmal schwierig einen Schlafplatz zu finden. Hätten wir uns zuvor aufgrund der Fülle nicht entscheiden können, ist es jetzt wieder eine langwierige und schwierige Suche. Und dann beginnt es auch noch zu regnen. Schlussendlich werden wr fündig und “verstecken” und irgendwo inmitten von Dörfern.

Am nächsten Tag werden wir vom Regen begrüßt. Es ist kein schönes Gefühl, wenn die kalte und nasse Zeltplane sich beim Herausgehen um den Morgenkörper schlängelt. Das bedeutet Frühstück im Zelt. Es wird gewartet bis der Regen etwas nachlässt und dann zusammengepackt.

Die Straßen des heutigen Tages sind zwar kaum befahren, jedoch ist die Beschaffenheit dafür im Regen nicht gerade Fahrrad tauglich. Vor allem, wenn der Boden auch noch aus lehmartigen Material besteht. Obendrauf geht es auch noch immer wieder hoch und runter. Löcher im Boden, nicht geteert, Regen und starke Steigungen wirken sich jetzt mal wieder negativ auf meinen Gemütszustand aus. Der lehmartige Boden verstopft mein ganzen Fahrrad. Er lässt sich nur schwer von Fahrrad entfernen und so schleift er am Fahrradblech klebend an meinem Reifen. Jeder steile Anstieg fühlt sich jetzt doppelt so steil an. “Freddy stay cool, boy”, denke ich mir, rege mich aber wahnsinnig auf. “Nächstes Mal fahren wir nicht mehr die kleinen Straßen entlang”, entgegne ich stark genervt Pedro, der irgendwie leichtflüssig die Hügel hoch und runter fährt. Bei ihm klebt kein Lehm am Fahrrad. Heute kommen wir nur 40 km weit.

Der nächste Tag wird besser. Die Sonnen scheint sich durchzusetzen und die Straßen werden auch besser. Immer wieder sind wir von Großbaustellen umgeben. Es wird eine große nördliche Verbindungsstrasse nach Istanbul gebaut. Wir fahren mehr oder weniger parallel auf den noch kleinen Straßen entlang und werden immer wieder zum Tee eingeladen, nehmen aber nur eine Einladung an. Es laufet gut. Wir kommen gut voran und beschließen dann so gegen 6 Uhr abends langsam einen Platz am Strand zu suchen. Ich hole Wasser in einem kleinen Geschäft, Pedro wartet draußen. Als ich rauskomme sehe ich eine kleine junge Männergruppe im Augenwinkel auf der anderen Straßenseite freudig winken. Puuh. Wir wollen aber einen Schlafplatz suchen und eigentlich am Ende des Tages unsere Ruhe. Bei so viel Männern weiß man nie… Ich versuche sie erst einmal zu ignorieren, winke aber dann doch mal zurück. Sie winken:  wir sollen zu ihnen kommen. Ich hadere damit und Pedro ist gar nicht „amused“ und sagt, dass dann ich rübergehen soll. Ich treffe eine Entscheidung und gehe rüber. Mal kurz Hallo sagen. Drüben angekommen wird gleich gefragt, wo ich herkomme und was ich zu trinken will. Pedro zieht nach und kommt auch rüber. Man unterhält sich kurz ( keiner spricht wirklich Englisch) weniger gut. Dann fragt einer, der von vornherein am interessiertestes und herzlichsten war, wo wir übernachten. Wir sagen:” beach,…plaja.”no problem –here”, antworten andere und zeigen auf ein Strandstück keine 50 Meter von uns entfernt. Dann sagt aber der eine, Mesut: “ you campıng my house, no problem”. Ich bejahe, frage Pedro ob es für ihn Ok ist und wir machen uns auf zu Mesut. Wir setzen uns zuerst auf eine Art Veranda und reden. Zum Unterhalten benutzt Mesut oft „google translator“. die Kommunikation ist nicht einfach. Er spricht am Anfang nur mit mir. Nach 30 Minuten dann auch mal eine Frage an Pedro. Es stellt sich heraus, dass er davon ausgeht, dass Franzosen ja kein Türken mögen ( woher er das hat ist nicht ganz klar, aber ich vermute aus dem TV). Auf die Frage wieviele Franzosen er denn bisher kennengelernt hat antwortet er mit “keine”. Religion scheint eine wichtige Rolle in seinem Leben zu spielen, wie auch für die anderen Jungs, die wir in diesem Dorf kennengelernt haben. So wurde z.B. ein Mann aus dem Dorf von den Jungs sehr stark beleidigt, weil er Alkoholiker war (so sah zumindest danach aus). Und auch Mesut ist etwas schockiert, als wir antworten, dass wir auch ab und zu gerne was trinken. Gerade auf dem Dorf scheinen viele durch TV und Religion stark beeinflusst zu werden. Die Religion/Tradition spielt eine wichtige Rolle in dieser Region der Türkei. Auch bei der Jugend. Gerade in Dörfern ohne Meerzugang bzw. Tourismus oder aber in Städten ohne Meerzugang/Tourismus oder ohne Universitäten spielen Religion und Tradition eine wichtige Rolle. Das gibt der Gesellschaft zwar einen Zusammenhalt, wenig religiöse Menschen werden aber auch dadurch ausgegrenzt.

Bei Mesut

War ich bei Mesut am Anfang noch etwas skeptisch aufgrund der neuen/fremden Umgebung ( wo gehe ich nachts urinieren, wann können wir Schlafen gehen, etc.), war die Übernachtung süper angenehm. Natürlich haben wir nicht bei ihm draußen im Garten übernachtet, sondern schön angenehm im Bett geschlafen. Mama Mesut hat immer gut gekocht und die Atmosphäre war sehr angenehm. Noch kurz ein Foto zum Abschied und weiter gehts.

Immer wieder steile Hügel hoch und dann wieder runter. Die Bremsen sind bei den Steigungen und dem Gepäck langsam ziemlich heruntergefahren. Es ist heiß, sehr heiß und manchmal sogar even heißer geworden. Nach 50 km entscheiden wir uns eine kleine Essenspause einzulegen. Wir kommen in einer Kleinstadt am Meer an. Man merkt sofort, dass diese Stadt wieder wesentlich offener ist als Gegenden zuvor. Wir halten an und kochen. Wir, vor allem Pedro, werden sofort von einem Haufen von Kindern umgegeben. Meist sprechen die Kinder sogar mehr Englisch als die (jungen) Erwachsenen. Sie stellen viele Fragen, sind super begeistert und waren echt herzhaft. Nach dem Essen machen wir uns wieder auf und ziehen weiter. Nach einer knappen Minute fährt einer der Kinder an uns vorbei und macht uns deutlich, dass er uns begleitet. Er begleitet uns nicht nur, sondern ist richtig stolz uns den einfachsten Weg aus der Kleinstadt zu zeigen.

Kinder, Kinder, Kinder

Am nächsten Tag fahren wir wieder spät los. Nach 4 km dann ein Tunnel. Da wir sowieso Wasser brauchen und es davor eine Wasserquelle gibt halten wir kurz an, füllen unsere Flaschen und Pedro geht noch kurz ın den Wald um sich einen Stock für sein Fahrrad zu holen( er benutzt ihn als Ständer und hat den Stock davor verloren-braucht also einen neuen). Kaum ist er weg, kommt auch schon ein Mann, Ali, auf mich zu. Null Englisch sprechend ladet er mich zum Tee ein und macht deutlich dass ich ihm doch folgen soll. Wir gehen also vor sein, Haus dass nur 100 Meter von der Straße entfernt ist und seine Frau begrüßt mich winkend auf dem Balkon. Er erzählt was er macht und erklärt etwas von der Gegend. Ich verstehe ca. 10% von dem was er sagt und reime mir den Rest zusammen. Es geht wieder zurück und wir warten an der Pıcknıckstelle bis der Tee fertig wird. Eine andere ihm bekannte Familie sitzt neben uns. Pedro kommt bald erfolgreich aus dem Wald und ich kann an seinem Gesichtsausdruck erkennen, dass er wieder nicht so glücklich ist, dass ich es schon wieder geschafft habe, zum Tee eingeladen worden zu sein. “ so kommen wir niemals nach China”, mag er sich wohl denken. Es dauert eine Weile bis der Tee heiß ist und dann kommt auch die Frau vorbei und bringt uns frisches Essen ( Goezleme). Wir essen genüsslich und trinken Tee. Die Frau sitzt mit dem Kindern und der anderen Familie am Tisch neben dran. Wie auch sonst halten sich die Frauen hier immer im Hintergrund. Wenn wir Tee trinken, dann immer nur mit Männern. Wenn, dann bringen Frauen  nur den Tee vorbei. Offensichtlich eine starken Männergesellschaft hier. Beim Tee und gutem Essen und schwierigen Gespräch kommt Ali auf einmal auf ein Paket Tee zu sprechen und verweist auf die Zahl 42. Ich verstehe, dass er uns Tee verkaufen will. Ich gebe ihm zu verstehen, dass ich viel Gepäck habe und ein Paket Tee nicht gebrauchen kann. Er läßt aber nicht davon ab, kommt aber zu einem neuen Thema ,währenddessen er uns auf einmal an seiner Hüfte seine Waffe zeigt. Er ist wohl eine Art Sherif hier im Dorf. Wir, beide nicht so erfreut über die Waffe, sind etwas irritiert. Er spricht darüber wie schön es ist, dass egal wo man her kommt eine Tasse Tee zusammen trinken kann und dann kommt er wieder auf den Tee zu sprechen und sagt wir sollen mitkommen in sein Haus er zeigt uns den Tee. Währenddessen wir zum Haus gehen, sage ich Pedro, dass ich ein Paket Tee kaufen werde. Ali und seiner Pistole zu liebe. Als wir oben in seiner Wohnung ankommen, zeigt er uns eine halb offene Packung Tee auf dem der die Nummer 42 steht. Erst jetzt begreifen wir, dass er uns nur sagen will, dass wir auf dem Weg nach Trabzon in seiner Heimatstadt Tırebolu vorbeikommen, wo es seiner Meinung nach den besten organischen Tee gibt, den wir unbedingt kaufen sollen. Er zeigt uns noch wo und greift dann zu seiner Waffe und holt sie aus seinem Halfter. “okay…”, denken wir uns beide und sind uns beide etwas unsicher. Er nimmt das Magazin heraus und zeigt uns voller Stolz seine Waffe, welche aus Spanien kommt. Wir kennen uns null mit Waffen aus, spielen aber das Spiel mit und sagen: “ wow” etc….Sind am Ende dann aber schlussendlich froh als wir wieder raus sind, zum Picknick Park gehen und uns von ihm, seiner Frau und der anderen Familie verabschieden. Der Tunnel wartet auf uns.

Es ist nie schön als Fahrradfahrer durch einen Tunnel zu fahren. Die starken Autoabgase und das schlechte Licht sind Gefahren, die wir nur ungern in Kauf nehmen, aber manchmal in Kauf nehmen müssen. Zumindest haben wir an diesem tag Glück mit dem Schlafplatz. Wir finden einen Strand, der auch von vielen türkischen Familien zum Erholen benutzt wird. Kaum sind wir dort angekommen kommt ein Familienvater mit zwei Tassen Tee in der Hand auf uns zu. Er ist sehr freundlich und auch seine Kinder kommen bald und stellen uns fragen auf türkisch und teils gebrochenen Englisch. Es wird bald dunkel, die Menschen verlassen langsam den Strand und wir schlagen unser Zelt auf. Wir werden am Morgen von der Sonne geweckt. Ein Fischer, der hier auch mit seiner Familie am Strand wohnt, kommt vorbei und fragt ob wir irgendetwas brauchen. Wir können jederzeit seine Toilette oder Dusche benutzen. Wenn wir irgendetwas brauchen sollen wir einfach kommen. Ich danke ihm, packe aber gleichzeitig langsam unsere Sachen zusammen. Wir wollen weiter. Kaum haben wir unsere Sachen gepackt hat Pedro wieder einen Platten. Es wird langsam klar, dass Pedro eine neue Felge braucht, da seine zu alt und kaputt ist. Wir beschließen heute nach Zonguldak zu fahren und dort nach einer neuen Felge zu fragen. Doch der Weg dorthin ist mehr als beschwerlich. Die Steigungen werden mit dem Gepäck immer mehr zur Tortur. Bei 35 Grad läuft mir der Schweiß nur so ins Gesicht. Jetzt wünscht man sich wieder den Regen. Nur ein Regenschauer, bitte! Doch keine Wolke am Himmel! Der Helm bleibt vom Kopf, es ist einfach zu heiß. Am Liebsten würden wir ohne T-Shirt fahren, aber aufgrund der dominanten Rolle der Religion trauen wir uns noch nicht oben ohne zu fahren. Wir haben schon immer unsere Bedenken, wenn wir uns im Freien erleichtern. Wenn uns jetzt jemand sieht. Dieses Gefühl wird uns die ganze Zeit verfolgen. Wir fühlen uns nicht 100% frei. Schon eine kurze Hose zu tragen oder ein Achsel-Shirt wird in den konservativen Dörfern nicht gerne gesehen. So zumindest unser Eindruck. Bei unserer abendlichen Dusche versuchen wir uns so gut es geht zu verstecken und alle möglichen zufälligen Begegnungen auszuschließen. Wir merken an den Abend, dass wir es nicht mehr bis nach Zongdulak schaffen und müssen unsere Zelt wieder inmitten einer Vorstadt aufschlagen.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf in die Stadt. Die Bewohner machen alles um uns zu helfen. Es dauert aber eine halbe Stunde bis jemand kommt und Englisch spricht. Er bringt uns zu einem Fahrradladen. Leider kein Glücke! Wir sollen es in Caucuma ca. 100 km von hier entfernt versuchen. Der Student, der uns durch die ganze Stadt gebracht hat, ladet uns noch zu einem Milchshake ein ohne dass er was trinkt. Er muss weiter und schreibt heute noch 2 Klausuren. Hinter Zongdulak beginnt dann ein schwieriger Streckenabschnitt. Die Steigungen sind einfach brutal. Fast immer zwischen 10-15% und neben dir rauschen die LKW mit ihren Abgasen vorbei. Hätte ich noch vor der Türkei gesagt, dass jeder so eine Fahrrad reise machen kann, ist das Reisen auf Fahrrädern in der Türkei, zumindest an der Schwarzmeerküste, an sich oft kein Spaß. Dafür sind die Menschen mit ihrer Gastfreundschaft überragend. Wir werden gerade in der Gegend um Zonguldak die ganze Zeit zum Tee eingeladen. Kurz vor Ende des Tages reißt dann auch noch die Bremse von Pedro. Wir beschließen auf dem letzten Berg eine Pause zu machen. Wir essen, relaxen und Pedro wechselt das Bremskabel. Immer wieder halten Autos an, stellen Fragen, bringen etwas vorbei. Ein Auto hält an und bringt uns Kirschen, dann haltet eines an und bringt uns Erık-Frucht, dann hält einer an und gibt uns Infos, dann hält die Polizei mit Blaulicht an nur um uns die Hand zu geben uns nach dem Namen(ich stell mich mit Freddy vor) und unserer Reise zu fragen. Kurz bevor wir gehen wollen, kommen zwei Jugendliche mit ihren Mopeds an. Wir unterhalten uns und kommen auf das Campen zu sprechen. Sie machen uns deutlich, dass in einem Kilometer es ein schöner Strandplatz gibt. “cok guesel” ( sehr schön/gut) soll dieser sein. Also machen wir uns mit den Beiden auf an den Strand. Immer den Mopeds hinterher. Am Strand angekommen besorgen sie für uns was zu essen, tischen auf und freuen sich richtig mit uns den Abend verbringen zu dürfen. Sie zeigen uns auf ihren beiden Mopeds noch die Gegend und wir unterhalten uns noch bis um Mitternacht. Sehr nette Jungs……

Türkische Nacht am Strand

Am nächsten Tag machen wir uns dann auf nach Caycuma. Da wir die steilen Hügel etwas satt sind, wollen wir bis Gerze im Landesinneren und dann wieder die Küste entlang fahren. In Caycuma klappen wir erst wieder 2 Fahrradgeschäfte ab bis wir auf eines treffen, dass uns weiterhelfen kann. Aber auch hier verweisen sie uns auf Trabzon. Wieder kein Glück. Wir setzen uns in das neben gelegene Restaurant und essen hungrig. Ich mache mich auf zu bezahlen. Die Frau gibt mir zu verstehen, dass schon alles gezahlt sei. “no,no, ı wıll pay. No problem”, sage ich. Aber sie lehnt ab und gibt mir zu verstehen, dass ein Autohändler gegenüber schon für uns bezahlt hat. Dann will ich mich aber auch dafür bedanken. Gehe rüber reiche ihm die Hand und verabschiede mich auf türkische Art ( rechts/linke Umarmung)

Ich düsen gerade den Berg herunter als ich neben der Straße einen Mann sehe, welcher mich durch Winken auffordert doch bitte anzuhalten. Kaum halte ich an, werde ich von einer grossen Familie umgeben. Auf einmal sind dutzende Kinder um mich herum. Mir wird die Hand gereicht. Dann wird mir ein Baby in die Hand gedrückt. Es geht alles sehr schnell. Der Mann sagt er komme aus Syrien und zeigt mir seinen türkischen Pass. Er bedankt sich bei mir, Kinder sprechen wahllos auf mich ein, spielen an meinem Fahrrad herum. Dann kommt endlich Pedro, er hält auch an und findet sich auch schnell umringt von der Großfamilie. Es handelt sich hier um eine Roma-Familie aus Syrien. Auch hier in der Türkei haben wir immer wieder Kontakt mit Roma Kindern. So schnell die Begegnung zustande kam, so schnell ist sie auch wieder zu Ende. Ich soll noch schnell ein Bild von seiner Tochter und dem Baby machen und dann gehen sie auch schon wieder in ihr Auto und wir unseres Weges.

Familienfoto

Die Fahrt im Landesinneren gestaltete sich als weniger ereignisreich. Die Menschen sind etwas zurückhaltender, die Natur hat aber auch hier ihre Schönheiten. Es ging bis auf 1300m hoch, aber alles in sehr gemächlicher Steigung. Leider mussten wir immer wieder durch meist kleinere Tunnel durch. Wir wurden immer wieder zum Tee eingeladen und sind den Einladungen das ein oder andere Mal gefolgt. Kurz bevor wir wieder uns Richtung Schwarzes Meer bewegen dann ein Erlebnis ganz besonderer Art. Pedro entdeckt in einem Hügel einen griechischen Tempel. Da sein Fahrrad wieder einen Platten hat, beschließen wir dort auch gleich zu übernachten. So campen wir am Fuße eines jahrhundertalten griechischen Tempels mit einem sehr schönen Blick aufs Tal. Leider konnte ich bis heute keinerlei Informationen über den Tempel erhalten. Weder im Internet noch von türkischen Bekannten. Und ja: wir hatten ein Interview mit einem türkischen Journalisten, welcher gesagt hat dass er einen Artikel über uns schreiben wird. Da wir aber kein türkisch sprachen und er kein Englisch stammt der Inhalt des Artikels wohl mehr der Fantasie des Journalisten.

Die erste Explosion höre ich so um 19.00 Uhr. Wir denken erst, dass hier einer mal wieder herumschließt, doch als wir kurze Zeit später die zweite, dritte und vierte Explosion hören macht uns das etwas stutzig und lässt uns auch nicht gerade gut schlafen. Kommt es von der umliegenden Industrie? Oder ist ein Naturphänomen? Wir wissen es bis heute nicht, denken aber dass es von der umliegenden Ziegelproduktıon stammen könnte. In unregelmaessıgen Abständen hören wir die Nacht über immer wieder kleine Explosionen. In dieser Nacht finde ich kein Schlaf. Das liegt auch daran, dass der Ramadan begonnen hat und der Muezzın jetzt such auch nachts um 3 Uhr meldet. Ab diesem Zeitpunkt sollten Muslime nichts mehr essen.

Mit schlechtem Schlaf im Gepäck geht es erst 20km den Berg rauf. Bis auf 1100m. Als wir den zu durchquerenden 2km langen Tunnel sehen, entscheiden wir uns auf 1300m hochzugehen und den Tunnel zu überfahren. Gute Entscheidung! Eine unglaublich schöne und vor allem ruhige Landschaft erwartet uns dort oben. Eine gute Alternative zu den stickenden Abgasen im Tunnel. Die Abfahrt nach unten ist nach Strapazen nach oben dann noch zusätzlich eine wohlverdiente Belohnung.

Noch immer sind wir auf der Suche nach einer Felge für Pedro nicht fündig geworden. Immer wieder werden wir auf die nächste große Stadt verwiesen. Wir fahren also weiter die Küste entlang.

Der zweite Kuestenabschnıtt ist sehr gerade und so kommen wir wieder nahe an unseren 80km Schnitt von zuvor heran: wenn nicht gerade die Sonne scheint und wir am Strand relaxen. Wir werden nun weniger zum Tee eingeladen….Ramadan. Tagsüber ist es schwierig etwas Warmes, wie einen Döner oder ähnliches zu bekommen. Ich bin nun öfters hungrig. Tauglich essen wir fast das Gleiche. Und das schon seit Wochen. Meist gibt es Brot, Gemüse und Käse zur Tageszeit. Das Abendessen besteht meistens aus Reis mit wahlweise Sucuk(Knoblauchworst)/Eıern/Gemuese. Das Gemüse, Brot und das Obst ist billig hier. Alles andere unterscheidet sich preislich nur marginal von den Preisen aus Deutschland. Ich sehne mich des Öfteren nun nach einer eigenen Küche, in der ich jederzeit etwas Warmes und Nahrhaftes kochen kann. Ich glaube, dass ich nun das erste Mal unter 69 Kilo falle……

Der Kuestenabschnıtt ıst zwar gerade, dafür fahren wir die ganze Zeit auf einer Art Autobahn. Das ist auch nicht das, was ich mir gewünscht oder vorgestellt habe. Dann doch lieber Berge. Man merkt, dem Radfahrer kann man es nur schwer recht machen. Uns wird bewusst wie schön eigentlich der Donauradweg war. Aufgrund der Fahrradwege ist die Nähe zur Natur und die Ruhe….. extraordinär.

Aufgrund des hohen Stressfaktors auf der Hauptstraße entscheiden wir uns einen kleinen Abschnitt auf einer kleinen Straße zu fahren, auch wenn es einen Umweg bedeutet. Und wieder war dies eine richtige Entscheidung. Es ıst zwar hügelig, aber die Steigungen sind nicht zu steil und es gibt kaum verkehr. Jetzt koenen wir das Schwarze Meer in seiner ganzen Pracht genießen. Doch am Abend sind wir wieder auf der Suche nach einem Schlafplatz. Wir entdecken einen einsamen verlassenen Ort. Als wir gerade den Ortscheck machen wollen kommt uns ein Junger Mann mit Harpune entgegen. Ich frage in halb türkischer halb erfundener Sprache ob dieser Ort Privat sei. Er antwortet in gutem Englisch, dass ich auch Englisch mit ihm sprechen koenne. Es sei kein Problem hier, aber keinen Kilometer weiter gäbe es einen Secret place den er uns zeigen koenne. Er führt zu einer orthodoxen Kirche, welche im 19. Jahrhundert von hier ansässigen Griechen gebaut wurde. Wir befinden uns am “Cape Jordan” und irgendwie gibt es dazu eine Geschichte aus der griechischen Mythologie. Dann verweist er uns noch auf eine andere Gruppe hier zeltenden jungen Erwachsenen und geht dann zu seinem Hotel zurück (Die Nıchtramadan machenden Tuerken verbringen oft ihre Zeit am Strand, weil das der Ort mit groesstmoeglıcher Freiheit zu sein scheint. Wir haben irgendwie keine Lust auf einen Haufen türkischer Jugendlicher und wollen uns wieder in Richtung “Secret Place” aufmachen, als uns 3 Leute in den jungen Zwanziger aufhalten.” No Campıng here. Archaeologıcal sıte”. Aber wir sollen doch mit ihnen kommen. Free Campıng! Also doch das türkische Ferienlager. Wir begeben uns zum Zeltplatz und sind natürlich erst einmal die Attraktion. Alle sind süper freundlich und bieten uns für unsere nächste Reise Überachnachtungsmöglichkeiten in diversen Städten an. Wir werden zum Essen und Tee eingeladen und verbringen eine Nacht am Lagerfeuer bis in die Morgenstunden. Lieder sprechen nur wenige gute Englisch, trotz allem war es ein super Erlebnis, sich bei Lagerfeuer und meist traditionellen türkischen Liedern in einer Gruppe junger Tuerken/ınnen wieder zu finden. Wir entscheiden sogar spontan noch einen Tag länger mit dem “harten Kern” der Gruppe zu bleiben und genießen einfach nur die Zeit.

Türkisches Grillen

Wir nehmen eine Nacht Samet bei uns im Zelt auf. Das Mathe-Genie aus Istanbul hat weder Zelt noch Schlafsack dabei. Samet und ich verstehen uns sehr gut.

Im Gegensatz zu uns hier ın Deutschland scheinen facebook-organısıerte Treffen in der Türkei zu klappen. Es gibt eine Gruppe in Facebook, welche „Interrail Türkei“ heißt. Dieser gehören mehrere 10.000 Menschen an und man organisiert in dieser dann oft kurz geplante Treffen. Beim Zeltcamp läuft das z.B. wie folgt ab: Ugur kümmert sich um einen Zeltplatz, den er von Ort von einer Bauernfamilie kostenlos zur Verfügung bekommt. Er postet nun in der Facebook Gruppe, dass jeder der will, am Wochenende mit Zelt sich an diesem Zeltplatz einfinden kann. Dann wird gemeinsam gesungen, gegessen, gefeıert, etc. Das alles scheint wunderbar zu klappen ohne dass es wie die ein oder andere “facebook” Party in Deutschland ausartet.

Wir lernen viele Leute kennen so auch Bugra aus Gıresun, der sein Zelt neben uns aufgeschlagen hat. Beim Kennenlernen erwähnt er sofort, dass er uns gerne in Gıresun willkommen heißen würde. Da es unserem Weg liegt, nehmen wir diese Einladung gerne an. Wir lernen noch ein paar Andere  aus Gıresun kennen und entscheiden uns dann nach 3 Tagen im Camp direkt nach Gıresun zu fahren. Wir erfahren schon zuvor dass Bugra uns wahrscheinlich doch nicht “hosten” kann, aber auch Ugur ( Organisator des Camps) sagt, dass wir gerne bei ihm übernachten können. Zusammen mit Samet, Fatıh, Ugur verbringen wir dann 2 Nächte in Gıresun, lernen  noch 2 deutsche Mädels und das Strandleben in Gıresun kennen und genießen die Zeit unter lockerer Atmosphäre einer “Nıcht-Ramadan” Gruppe.

Bei Ugur Zuhause

Hier, in der von uns besuchten Regionen der Türkei, macht ein Großteil der Bevölkerung Ramadan mit. Es ist eher die Ausnahme, wenn jemand kein Ramadan macht, doch diese Leute findet man auch. Während den 30 Tagen richtet sich das öffentliche Leben nach dem Ramadan. Imbiss Geschäfte haben weitestgehend tagsüber geschlossen und man sieht kurz vor Sonnenuntergang viele Menschen in Restaurants mit dem Essen auf dem Tisch auf das Signal des Muezzins warten. Wenn man tagsüber etwas essen will, sollte man wenn möglich nicht gerade in aller Öffentlichkeit tun. Das Gebiet um den Strand bietet hier eine Ausnahme. Hier ist es mehr oder weniger kein Problem. Auf unseren täglichen Pıcknıckstopss versuchen wir uns so gut es geht zu verstecken, um den Ramadan machenden Menschen Respekt zu zollen

Egal ob eine 5 Quadratmeter große Insel, die Schule, Famılıenhaueser oder einfach mitten in der Pampa. Die türkische Flagge ist so allgegenwärtig wie die Wolken am Himmel. Kemal Attatürk ist überall präsent. Kemal Attatürk Straße, Schule, Brücke, Universität. In jedem Dorf und in jeder Stadt gibt es mindestens ein Gebäude, welches nach ihm benannt ist. Auch sonst ist es sehr schwierig aus westeuropäischer über Politik zu sprechen. Die Schuld wird,  außer von Studenten (bei denen Erdogan meist alles andere als beliebt ist), immer dem anderen Land gegeben. Schaut man sich aber mal bei den Nachbarn in der Türkei um, so sıeht man, dass die Türkei zu keinem Nachbarland gute Beziehungen zu haben scheint.(Armenien, Georgien, Russland, “Syrien”, Griechenland, Bulgarien/EU, Iran). Wie auch immer: ich werde das ein oder andere Mal auf Merkel und ihre Politik angesprochen, aber ansonsten versuchen die Menschen hier (v.a. sie Studenten) die politischen Streitigkeiten mit anderen Nationen nicht auf ihre Menschen zu übertragen.

Ugur nennt sich selbst “The kıng of the black Sea”. Er scheint sehr viele Verbindungen zu haben und prahlt damit auch sehr gerne. Für ihn ist alles “no problem”. Das sagt er aber auch wenn er nichts versteht. So entstehen ganz witzige Diskussionen. Da wir in der nächsten Großen Stadt Trabzon ein paar Tage bleiben wollen um Vısaangelegenheıten zu erledigen, nehmen wir Ugurs “no problem” Angebot für eine Couch in Trabzon gerne an. 2 Tage später kommen wir erschöpft in Trabzon an. Wir arrangieren ein Treffen mit Ugur, der auch ein bisschen an der Schwarzmeerkueste herumreist, in Trabzon und verbringen den Abend mit Kebab und EM in der Stadt. Ich frage immer wieder bei Ugur nach, wo wir denn jetzt übernachten werden. Er sagt immer wieder “no problem”, doch die Uhr tickt und wir sind müde. Irgendwie scheint es nicht ganz einfach zu sein in Trabzon eine Couch für uns zu finden. Er führt jetzt fast alle 10 Minuten ein Telefongespräch, doch ohne Erfolg. Es wird langsam 1 Uhr in der Nacht und wir sagen, dass es kein Problem ist, wenn er nichts findet. Wir entscheiden uns ins Hotel zu gehen. Ugur läuft der Schweiß nur so ins Gesicht. Sein t-Shirt ist auch schon ganz nass. Er tut uns ein bisschen Leid. Hätte er nur nicht so geprahlt…. Wir schmeißen uns also auf unsere Drahtesel. Dann kommt uns nochmal Ugur entgegen: “ We found someone” Also doch! Wir haben Glück und über Umwege findet sich jemand, der uns nachts um 1 Uhr aufnehmen wird. Wir fahren nochmal nachts im Verkehr durch Trabzon und treffen spät in einer Student-WG von Okan, Fatıh und Fırat ein. Was für ein Glück und was für liebe Menschen. Sie sagen, dass wir so lange hier bleiben können wie wir wollen und nisten uns jetzt schon seit 5 Tagen bei ihnen ein. Wir haben eine schöne Zeit hier, wollen aber dann morgen Richtung Georgien aufbrechen.

Bei Okan, Fatih und Firat

Pedro musste seine Felge aus Istanbul beordern. Selbst hier in Trabzon haben sie keine Ersatzfelge mit seiner 32er Felge, welche nur noch selten produziert wird. Wir haben das Iran Visum beantragt und warten nun auf Antwort.

Und dann noch eine Überraschung: Douggıe the Englıshman ıs back!!!!!

Nachdem wir immer wieder in Kontakt geblieben sind( haben über seinen Blog seine Handynummer bekommen), haben wir es geschafft ihn in Trabzon wieder zu treffen. Back on the roads tomorrow! Next destınatıon: Georgıa!

Catch ya!

Türkische Gastfreundschaft


1 Kommentar

2-Türkische Nächte – Freddy Fritz · September 9, 2018 um 10:00 pm

[…] eine „türkische“ Nacht von vielen: schön und auf Dauer nervig zugleich…( s.h. auch Bericht 9-Türkei) […]

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