Gute Straßen in der Türkei

Wir nähern uns der türkischen Grenze. Es ist irgendwie komisch. Es ist die erste richtige Grenze, die wir zu überqueren haben. Sie ist auf dem höchsten Punkt gebaut und die nächste Stadt befindet sich in 9 km Entfernung. Ein Zeichen wohl nicht so guter Beziehungen. Wir müssen vom Schwarzen Meer auch einen weiten Weg ins Landesinnere machen, da die Grenzstationen etwas spärlicher als zuvor sind. Am türkischen Zoll angekommen merken wir auch schon das Überschreiten einer `richtigen` Grenze. Zwei Soldaten bewachten stark bewaffnet die Zollstation von einem kleinen Hügel aus. Ein 2 Meter großer Stacheldrahtzaun trennt die beiden Länder mitten in der Natur. Grenzen! Irgendwie komisch. Die Anspannung steigt auch ein bisschen. Ohne Probleme überqueren aber die Grenze und fahren auf einer Straße, welche völlig überdimensional erscheint. Wir fahren fast alleine auf einer 2 spurigen Straße inklusive großer Seitenstreifen für Fahrradfahrer. Die Straße wurde wohl für zukünftige Handelsbeziehungen gebaut oder gehört zu einem der Prestigeprojekte Erdogans. Wie auch immer: Wir freuen uns auf perfekten Straße, nachdem wir zuvor noch um jedes Loch fahren mussten.

Wir schlagen unser Zelt wieder auf einer Schafwiese auf. Kurz vor dem Schlafengehen dann wieder ein Geräusch. Nein, es sind keine Wölfe. Es ist der Muezzin! Spätestens jetzt wird mir klar, dass es wirklich gen Osten geht. Irgendwie aufregend, auch wenn der Herr Muezzin mich morgens aus dem Tiefschlaf holt.
Die erste Einfahrt in eine türkische Stadt Kirklareli wird zum Ereignis. Wie aus dem nichts befinden wir uns nach einer kleinen Straße im Zentrum des organisiertem Verkehrschaos. Wir drehen eine Runde im Kreisel und halten an, um Geld abzuheben. Binnen weniger SEKUNDEN stehen auf einmal 20 Leute um uns rum. Wie wild beginnen sie auf Pedro einzureden. Die sind völlig aus dem Häuschen wegen dem Tallbike. Ich entziehe mich der Situation und hebe Geld ab. Pedro muss mitten im Verkehr und vor den Augen bestimmt 200 Augen noch einmal eine Runde um den Kreisel in der Stadt drehen. Wir entscheiden uns in einem ruhigeren Teil einkaufen zu gehen. Immer wieder werden wir freundlich angesprochen, Menschen kommen auf uns zu und sind interessiert an unserer Reise. Gespräche sind sehr angenehm und offen.
Wir kommen an diesem Tag sehr gut voran. Die Straßen sind gut und wir haben Rückenwind! Mehr als 100km heute gemacht. Nach einem kurzen verrückten aufeinandertreffen mit einer Roma Familie ( ein Kind springt auf mein Gepäckträger während dem Fahren, später fahren sie neben uns her und feiern uns ständig), finden wir an einem See einen schönen Zeltplatz für uns.

Am nächsten Morgen machen sich die 100km doch bemerkbar. Die Beine sind doch etwas schwerer. Wir fahren wieder auf wenig befahrenen Straßen und kommen so immer wieder in Dörfer, in denen die Menschen staunend das Tallbike betrachten. Auch hier sitzen die Menschen draußen und trinken meist Tee, jedoch eher im Dorfzentrum und nicht vor ihren Häusern. Wir werden oft zum Teetrinken eingeladen fahren aber immer weiter, bis auf einmal. Zum Glueck! Außerhalb eines Dorfes fahren wir an einer Moschee und Mini-Laden vorbei. Wieder winkt uns jemand zu und bittet uns anzuhalten und mit ihm zu sitzen. Da es etwas ruhiger ist, entscheiden wir uns dieses Mal anzuhalten. Sofort werden 2 Stühle geholt und wir werden zum Tee, Brot- und Käseessen eingeladen. Wir sprechen kein Türkisch, die anderen 3 kein Englisch! Perfekt! Der Mini-markt muss irgendwie zur Moschee gehören. Der etwa 50 jährige Mann ist sehr herzlich. Wir reden mit Hand und Fuß und trinken 3 Tees. Er bringt uns hinters Haus und wir sollen ein paar Früchte für uns pflücken. Wir setzen uns wieder und reden mit Hand und Fuss. Wieder ein sehr herzlicher Mensch, der und das kann man sehen nicht viel ` Reichtum` hat. Nach einem Gespräch, das ich anfangs nicht so verstanden hat, bittet er mich in die Moschee, damit ich mir die mal ansehen kann. Es geht alles sehr relaxed hier zu. Er macht viele Scherze und alles ganz locker. Dann schenkt er mit noch einen historischen Atlas mit Widmung von ihm. So schön es auch ist, wir müssen weiter. Also kurz ein türkisches „Auf Wiedersehen“ mit linker und rechter Backenannäherung und weiter gehts nach Istanbul!

Warmes Willkommen

Wir entscheiden uns den Bus nach Istanbul zu nehmen, da wir den gefährlichen Verkehr aus dem Weg gehen. Kurz ein paar Sätze zu den Menschen hier. Die Menschen hier sind sehr europäisch. Sehr offen gegenüber allem. Wenig Kopftücher( viel weniger als z.B in den rumänische Dörfern), westliche Kleidung, Religion scheint hier locker genommen zu werden( Frage bei einem Gespräch nach dem Ramadan, daraufhin antwortet der Mann, dass er keine Ahnung hat, aber er meine es müsste so in 4 Wochen sein). Gerade im asiatischen Teil Istanbuls ist die Stadt „westlich“. Ein lautstarker Frauenprostest kommt mir heute entgegen. Die kleinen Gassen in Istanbul sind voll mit Leben. Hidjab tragen hier nur Touristen aus dem arabischen Raum. Jedoch ist der Nationalismus hier visuell stark präsent. Überall türkische Flaggen und Atatürk. Wirtschaftlich befindet sich der Westen der Türkei auf dem Stand von Mitteleuropa. Zumindest ist es hier ein weiter Sprung nach oben nach all den osteuropäischen Staaten.

Ich bin gespannt wie der Osten der Türkei auf mich wirken wird.


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