Vulkangebiete

Wir verlassen das Haus Gabriels (wunderbarer Gastgeber in Coronel) und finden uns auf der viel befahrenen Straße um Concepcion wieder. Unser Ziel ist Argentinien und somit der „Paso Pehuenche“ mit einer Höhe von 2500 Meter.


Der Schweiß tropft mir nur so von der Stirn. Immer wieder sind Hügel oder kleine Berge zu bewältigen. Die Hitze steht nur so in der Luft. Bei den Anstiegen ziehe ich meinen Helm ab. Vom Kopf läuft der Schweiß über meine Stirn, die Sonnenbrille und dann der Nase herunter. Öfters halte ich an, um zu trinken, die Sonnenbrille zu putzen und vom stinkenden Verkehr durchzuatmen. Sicherlich nicht die angenehmste Zeit. Nachts habe ich einen leichten Husten, der vom Verkehr oder von den Waldbränden kommen muss. Schon am ersten Tag merken wir, dass das Interesse an uns als Reisende merklich zugenommen hat. Menschen sprechen uns an, stellen fragen und beantworten Fragen. Es ist der Austausch, nachdem ich mich gesehnt habe, um das Leben der Menschen besser verstehen zu können. Um die Stadt Tomé sind wir mal wieder Zeuge der grenzenlosen Verschmutzung der Natur durch den Menschen. Auf einem inoffiziellem Campingplatz nahe am Fluss, sind jegliche sich nur denkenden Abfälle zu finden. Selbst ein Ofen wurde neben dem Fluss abgestellt und angezündet. Dafür fehlen einem die Worte.

Der Ofen inmitten der Natur


Der Verkehr wird weniger, doch die Hitze und der damit verbundenen Schweiß bleibt der Begleiter in der geographischen Mitte Chiles. Da wir uns auch vom Meer wegbegeben, entfällt auch immer mehr die Meerbrise. In der Stadt Coelemu versuchen wir es am Abend wieder mit einer Übernachtung bei der Feuerwehr. Sie können uns leider nicht aufnehmen, verweisen uns aber auf eine Schule, in der wir übernachten können. Als wir dort ankommen ist die Straße zur Schule abgesperrt. Polizei und Rotes Kreuz ist um und in der Schule allgegenwärtig. Was ist hier los? Ich vermute schon sehr früh, dass die Schule als Krisenzentrum für die Waldbrände eingerichtet wurde. Sollen wir als 2 Reisende wirklich fragen, ob wir hier übernachten können. Ich habe so meine Zweifel Betten in der Notsituation anderer in Anspruch zu nehmen. Trotz allem entscheiden wir uns nachzufragen. Wir bewegen uns auf einen Mann des Roten Kreuzes zu: “ Wir waren vorher bei der Feuerwehr, um nach einer Übernachtung zu fragen. Diese haben uns hierher geschickt. Haben sie einen Platz zur Übernachtung hier?“ “ Mmmm. das wird schwierig. Ich hole den Verantwortlichen einmal.“, antwortet uns der etwa 50 Jahre alter Mann.
Keine 3 Minuten später kommt der Hauptverantwortliche zu uns: “ Wir können euch leider hier nicht aufnehmen. Wir erwarten heute viele Menschen hier, dir in der letzten Nacht ihre Häuser verloren haben. Tut mir leid.“, teilt uns dieser mit. Mir ist diese Aussage gerade recht. Ich hätte kein gutes Gefühl gehabt, hier zu übernachten. So füllen wir unsere Flaschen mit Wasser auf und haben eine entspannte Nacht am Fluss an einer Brücke. (Brücke geben einem oft die Möglichkeit Zugang zu einem Fluss bzw. allgemein ein Ort zu übernachten zu finden. Da sonst das gesamte Gebiet in Chile abgesperrt ist.


Die Begegnungen mit Menschen, die sich für uns und unsere Reise interessieren häufen sich. Oft sind es einfache Verkäufer/innen, mit denen wir ins Gespräch kommen.
Meine Haare sind lang geworden. Das ist bei so einer Hitze nicht gerade angenehm. ich gehe ungern zu Frisör. Als ich jedoch am Straßenrand ein Schild mit “ Cortes el Pelo. 2000 $“ (Schneidet Haare, 2000 Pesos) mitten in einer eher unbewohnten Gegend sehe, wittere ich die Chance 2 Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen Mal bekomme ich eine neue, freshe Frisur, zum anderen ermöglicht es mir auch ins Gespräch mit einer älteren Dame zu kommen, die mir sicherlich einiges zu erzählen hat. Wir halten an und ich nähere mich dem Haus.

“ Buenas dias“, rufe ich. Niemand antwortet. Zwei Hunde bellen. „Buenas dias“, rufe ich jetzt etwas lauter. Immer noch nichts außer das Hundegebell. Dann rufe ich ein drittes Mal. Es tut sich nichts. Ich will mich gerade umdrehen, als ein Junge aus dem Haus tritt.

„Cortes el Pelo“, rufe ich ihm zu. „

„Si, si“, antwortet er und öffnet mir dir die enge Gartentür. Als ich mich dem Haus nähere steht dort ein etwa 45 jähriger, dünner Mann.

„Der schneidet mir doch bestimmt nicht die Haare“, denke ich mir und frage ihm wer mir die Haare schneidet.

“ Das macht der Junge hier. Schau, er hat auch mir die Haar geschnitten“ antwortet er mir.

Als ich mir die Frisur anschau, denke ich mir nur: “ Das kann ja was werden.“ Der Junge verschwindet im Haus. Der ältere Mann kommt heraus und stellt 2 Stühle auf. Kurze Zeit später kommt dann auch der Junge heraus. Er legt einen Rasierer und eine normale, große Küchenschere auf den Tisch. Der Junge macht einen nervösen Eindruck Als dieser wieder im Haus verschwindet, frage ich Jo: “ Have you seen this pair of sissors? I hope he doesn´t intend to cut my hair with that one!“
Als der Junge wieder herauskommt, dann die alles entscheidende Frage: Wie willst du deine Frisur haben? Puuu, nach 5 gesprochenen Minuten wird ihm einigermaßen klar, wie ich die Frisur haben will. Da ich meine langen haar weitestgehend behalten will, bitte ich ihm nur eine „Frisur“ in die Haar zu bekommen und vor allem hinten die Haare kürzer zu schneiden. Und bitte die Schere benutzen. Ich habe Angst, dass er mir sonst die Haare zu kurz schneidet.

„Am besten wäre es, wenn du dir deine Haare nass machen würdest“, sagt er mir und verschwindet wieder im Haus. Wenig später kommt er mir einer Nescafe-Tasse in seiner Hand aus dem Haus und drückt mir diese in die Hand. Als er mit dem Haare schneiden beginnen will, frage ich ihn: „Soll ICH die Haare jetzt nass machen?“ Er bejaht und dann geht es los. Ich merke sofort, dass er keine Ahnung vom Haare schneiden hat. Er wirkt sehr unsicher.

Das Abenteuer kann beginnen


Ignazio ist 16 Jahre alt und geht auf das Colegio in Concepcion ( ca. 100 km entfernt). Er hat Ferien und verbringt seine Ferien hier bei seinem Onkel und seiner Oma, um ihnen zu helfen. Gerne möchte er eine Ausbildung in Elektromechanik machen. Studieren mag er nicht. Er verbringt lieber seine Zeit in Concepcion, als hier auf dem Land. Aber er versucht seiner Familie zu helfen, wie jetzt mit dem Haare schneiden.

“ Wie viele Kunden hast du pro Tag? Zwei? Drei?“, frage ich ihn.

„Das kann ich dir nicht beantworten. Ich habe heute erst das Schild aufgestellt. Du bist mein erster Kunde“, antwortert dieser mir. Ich muss lachen und denke mir gleichzeitig: Was für eine Erfahrung für diesen Jungen. Da stellt er dieses Schild auf und wer ist sein erster Kunde? Ein Tourist auf einem Fahrrad!


Als Jo sagt, dass er einen tollen Job gemacht hat und ich ihm dies bestätige ( auch wenn wir anderer Meinung sind) ist dieser richtig stolz. Wir sollen Werbung für ihn machen. ich glaube, er freut sich in Zukunft vielen die Haare schneiden und so seiner Familie helfen zu können. Ich gebe ihm 50% Trinkgeld und verlasse das Grundstück durch das enge Gartentor wieder.

„Die Schere“: Mit Waser bekommt man dann doch eine ganz ordentliche Frisur hin

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