Es ist nicht immer einfach fürr mich Erfahrungen, die wir bisher auf der Reise gemacht zu verschriftlichen. Oft sind es nur „kleine Ereignisse“, die in jenem erlebten Moment Gluecksgefuehle hervorrufen. Z.B. hat sich ein Reh von uns verfolgt gefuehlt und ist dann einige Minuten neben/vor uns her gerannt, bis es dann doch schlussendlich abgebogen ist. Dies war ein Erlebnis für mich, jedoch hört sich das hier schriftlich verfasst nicht wirklich spannend an.

Da wir bis auf unsere kurzen Stadtaufenthalte die ganze Zeit in der Natur sind, beziehen sich viele Erlebnisse auf die Tier-und Lanschaftswelt. Wildschweine mit Frischlingen(11 Stueck), Bieber, Luchs, viele Rehe, viele Schlangen – alles gesehen und vor allem ERLEBT. Denn es ist was anderes ob man auf ein Tier in freier Wildbahn trifft oder im Wildpark. Es ist etwas anderes wenn man beim Fruehstueck ein paar grasenden Rehe zuschauen kann oder diese im TV sieht. Bis auf die Schlangen geniesse ich es wirklich alles aus naechster Naehe zu betrachten. Vor allem die Begegnung mit einer doch sehr grossen schwarzen Schlange in Ungarn war in diesem Moment nicht so gemütlich. Eine andere muss ich beim urinieren beim Sonnenbaden gestoert haben, als sie keine 10 cm an mir vorbeizischte. Solche Momente gehoehren dazu, muessen jetzt aber auch nicht immer auftreten (bin ein absoluter Schlangenschisser) :).

Ich will nun kurz meinen jetzigen Aufenthaltsort (Belgrad) kurz in die Reise einordnen, weg von Landschaft und Natur und hinzu den Menschen kommen.
Nach einer sehr schoenen Zeit (5 Tage) in Wien bei meinem Cousin Alex und seiner Verlobten Heidi, ging es weiter in die Slowakei, nach Ungarn (2 Tage Aufenthalt in Budapest), Kroatien und nun Serbien. Bis 150 km vor Budapest waren die Fahrradwege noch ganz in Ordnung, dann ging es teilweise weiter auf solchen Strassen:

Teilweise waren sie auch in gutem Zustand, doch im Allgemeinen ging es vor allem ab Kroatien auf Landstrassen weiter. Menschen in Ungarn waren meist sehr hilfsbereit und auch in Budapest hatten wir in einem 2 taegigen Stopover in einem Hostel eine sehr angenehme Zeit. Mit dem Uebertritt nach Kroatien haben wir mehr und mehr Kontakt zu Einheimischen und anderen Tourenradler hergestellt. Keine 10 km hinter der Grenze bei Udvar trafen wir auf Esther aus Heildeberg. Sie faehrt allein nach Taiwan und hat ein ganz ordentliches Kilometerpensum mit 120 km pro Tag. Wir sind mit ihr zusammen 2 Tage gefahren. Immer wieder wird uns zugehupt, zugelaechelt, gewunken oder Bilder/Videos vom Tallbike gemacht. Kurz vor Vukovar ruft uns ein etwa 50 Jaehriger Mann zu: „How are you ?“ Da wir sowieso unsere Trinkwasserreserven auffuellen mussten und eine Pause machen wollten, halten wir an und fragen nach Wasser. Wer die Gastfreundschaft von Menschen dieser Laender kennt, weiss, dass es nicht beim Auffuellen der Wasserflaschen bleibt. Wir werden ins Haus eingeladen und verbringen 1,5 Stunden bei hausgemachten Wein und Wurst und witzigen und interessanten Gespraechen in einem Mix aus kroatisch, italienisch, englisch, franzoesich und deutsch im Haus von Bijana und Dragan. Man fuehlt sich richtig wohl bei diesen warmherzigen Menschen, die von aussen wohl nicht viel haben zu scheinen, doch uns dann ganz stolz ihren ganzen „Reichtum“ praesentieren. Eigene Schweine im Hof, Huehner, Weinreben. Immer wieder sagt er ganz stolz, dass hier alles Bio ist und das schmeckt man auch. Er fuettert seine Schweine mit eigenen Mais. Er macht Wein und Wurst selber im Hof.
Da ich einmal eine Hausarbeit ueber den Jugoslawienkonflikt geschrieben habe und auch in meiner muendlichen Pruefung ueber diesen Konflikt abgefragt wurde, ergreife ich die Gelegenheit beim Schopfe und lenkte das Gespraech hinzu dem Jugoslawienkonflikt. Man spuert sofort, dass es nun etwas emotionaler wird. Vukovar war einer der am schwersten betroffenen Staedte auf kroatischen Boden und Dragan hat bei diesem sinnlosen Krieg (wie wohl alle Kriege) selbst mitgekaempft. Seine Aufgen werden feucht, wenn er vom Tod seines Bruders erzaehlt, der von einer Granate bei der Schlacht um Vukovar toedlich getroffen wurde. Er schimpft auf politische Eliten, welche sich durch diesen Krieg bereichern wollten und erzahelt, dass sie alle hier unter Tito ein sehr schoenes Leben gehabt haben. Ich will hier nicht zu weit ins historische/politische gehen, denn auch Biljana, seine Frau, hat nach einigen Minuten die Traurigkeit des Gespraeches erkannt und freundlich, aber bestimmend gesagt, dass jetzt Schluss mit politischen Gespraechen sei.

Eines will ich jedoch noch erwaehnen. Viele erzaehlen, dass sie vor dem Ausbruch des Konflikts friedlich miteinander gelebt haben und das gegenseitige Abschlachten (so wurde z.B. in Vukovar von jugoslawscher/serbischer Seite ein Lkw mit Leichen ohne Kopf und mit abgeschnittenen Armen und Beinen vor dem Krankenhaus ausgeschuettet) alter Nachbarn von politischen Eliten herbeigefuehrt wurde. Der Krieg ist in den Koepfen uns Seelen der Menschen noch immer sehr praesent, auch wenn Schussloecher in Hauserfasaden um Vukovar groestenteils wieder verputzt wurden. Hoffentlich scheint die Zeit, die grossen Wunden allmaehlch zu heilen. Hier das „Wahrzechen“ von Vukovar:

Spuren des Jugoslawienkonflikt am Wahrzeichen Vukovars

Am gleichen Tag verlaesst uns noch Esther, da sie noch abends nach Novi Sad will, uns das aber dann nach 80 gefahrenen Kilometern doch zu weit ist. Wir wollen gerade unsere Zelt aufbauen als ein Mann mit Gewehr uns entgegen kommt. Mit nicht sehr freundlichem Gesicht sagt er: „Nix schlafen hier.heute Jagd!“. Also packen wir unsere Sachen und fahren weiter. Keine 3 km spaeter erreichen wir Ilok. Wir halten kurz an und wollen einen Platz zum Schlafen finden. Ein vorbeifahrendes Auto hält an und fragt auf Deutsch: “ Woher kommt ihr?“. Nach kurzem Gespraech laden uns Katica und Nobert zu sich nach Hause ein. Sie sind erst vor enem halben Jahr nach Ilok nach Kroatien gezogen. Sie ist Kriegsfluechtling aus Kroatien gewesen und im Zuge dessen hat sie Norbert kennengelernt. Nachdem Nobert in Rente gegangen ist, sind sie gemeinsam nach Kroatien gezogen. Norbert, ein waschechter Berliner, erzaehlt uns ununterbrochen seine interessanten und unterhaltsamen Lebensgeschichten. Katica verwoehnt uns und will uns beide am naechsten Tag bei stroemenden Regen gar nicht gehen lassen. Sie fahren bis an die Grenze mit dem Auto vor, wir verabschieden uns und kurz nach Grenze bei Kaelte und stroemenden Regen sehen wir einen Tourendradler auf unsere Strasse abbiegen. Wir geben Gas und lernen so beim Ueberholen Douglas(Douggi) kennen. Er ist 52 Jahre und ist von Newcastle nach Suedostasien, Australien, Amerika fuer 18 Monate unterwegs. Es stellt sich heraus, dass er die Nacht davor wenig geschlafen hat, da er im Natonalpark nachts die Bekanntschaft mit Wölfen gemacht hat!!!! Seit 2 Tagen sind wir gemeinsam unterwegs und haben die bisher härteste Tour bei Regen, eisiger Kaelte und schlechter Strassen nach Belgrad gemacht.

Douglas der Engländer

Morgen geht es nun weiter Richtung Schwarzes Meer und dann nach Istanbul. Ich werde mich wahrscheinlich erst wieder in Istanbul melden.

Geniesst die Zeit!


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