Alejandro-ab und an ein Spaßvogel 🙂

Alejandro ist 34 Jahre alt und arbeitet als Pharmazeut in einem Krankenhaus in Junin de los Andes. Er ist gerade dabei sich ein Haus in einem abgelegenen Ort an einem See 20 km von Junin zu bauen. Übergangweise wohnt er bei seiner Mutter, die keine 2 Gehminuten vom Krankhaus entfernt wohnt. Alejandro ist ohne Vater aufgewachsen, empfindet dies aber nicht als belastend. Nur zweimal in seinem Leben war er ein bisschen deprimiert, dass er keinen Vater an seiner Seite hatte: Sowohl bei der Zeugnisausgabe nach der Grundschule als auch nach der Sekundarschule ist traditionell der Vater involviert. Bei Alejandros Zeugnisausgabe steht ihm kein Vater zur Seite. Sonst sieht er die Sache gelassen und macht sein Kindheit ohne Vater nicht als belastend an. Im Gegenteil sieht er darin auch positive Elemente, da er schon früh mit in die Verantwortung der 5-köpfigen Familie ( 2 Brüder, eine Schwester) gezogen wurde. Und überhaupt geht es anderen Kindern viel schlimmer (gewalttätige/drogenabhängige/alkoholabhängige/… Väter) Auch Alejandro macht regelmäßig Mediationsübungen und ist überzeugt, dass er durch seine Atemtechniken negative Energien vom Körper fernhalten kann.

Alejandro, leidenschaftlicher Kung Fu Kämpfer, ist ein langjähriger Gastgeber vor allem auf der Plattform couchsurfing (9 Jahre), aber auch auf der Plattform warmshowers ( 1 Jahr). Er hat bisher weit mehr als 100 Gästen ein Bett, eine Dusche, ein Essen oder ganz allgemein seine Zeit zur Verfügung gestellt. Warum lädt jemand regelmäßig Gäste, die er nicht kennt, zu Hause ein? Er mag das Reisen, das er trotz gut bezahltem Job in Argentinien ( ca. 1000 Euro im Monat–>Produkte sind in Junin teurer als in D.!), außerhalb Argentiniens kaum wahrnehmen kann. Doch er selbst „geht doch nicht auf Reisen“, wenn er Reisende einlädt!?!?! Es steckt mehr dahinter: Seiner Meinung nach igeln sich Menschen in seinem Alter in seiner Heimatstadt Junin de los Andes zu Hause ein. Gerade wenn sie eine Familie gründen, finden gemeinsame Aktivitäten kaum mehr statt. Nur in Ausnahmefällen wird man nach Hause eingeladen. Meist bleiben die Familien unter sich. Die Reisenden bringen also ein bisschen Schwung in seinen Alltag und gestalten in interessant. Dabei lernt er viele unterschiedliche Menschen kennen. Die meisten Erfahrungen sind positiv, nur wenige sehen in ihm ein „Ersatz-hotel“. Jedoch unterscheiden sich die couchsurfing Gäste von den Fahrradreisenden. Letztere seien offener und sehen in ihm nicht nur eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit. Es entstanden sogar tiefe Freundschaften wie mit dem Schweizer Thomas, mit dem er sich jährlich (in Junin) trifft.

 

Anmerkung: Alejandro ist ein erfahrener Gastgeber, der weiß, was Reisende benötigen. In dem kleinen Haus seiner Mutter habe ich ein Zimmer zur Verfügung bekommen und jeglichen Zugang den Hausgeräten. Ich hatte meine Zeit für mich, aber auch gemeinsame Stunden mit Alejandro und seiner Mutter. Obwohl ich nach einem Tag vorhatte mich wieder auf den Weg zu machen ( u.a auch weil die Mutter im Haus rauchte), bin ich doch 4 Tage geblieben. Ich habe mich wohlgefühlt in seiner Gegenwart. Alejandro zeigte besonders am vorletzten Tag seine besondere Gastfreundschaft: Sein Cousin erhängte sich in Junin am Morgen dieses Tages, worauf ein Teil seiner Verwandtschaft auch ihm Haus mit übernachtete. Ich bot ihm an sofort weiterzureisen und die Familie in Ruhe trauern zu lassen, doch er bestand darauf, dass ich wie abgesprochen noch eine Nacht im Haus übernachte. Es war für mich eine sehr schwierige Situation, doch er gab mir jederzeit ein unter diesen Umständen angenehmes Gefühl. Er forderte mich sogar auf aus meinem Zimmer zu kommen, nachdem ich mich nach dem Eintreffen der Verwandtschaft in mein Zimmer zurückgezogen hatte. Während sich 6 Erwachsene und 1 Kind sich zwei Zimmer teilten, schlief ich weiterhin alleine im Zimmer. Das Bett neben mir blieb frei.

Danke für die vielen Gespräche!

Kategorien: Menschen

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