Martin “ El Loco“

Martin ist 54 Jahre alt und lebt in der Provinzstadt General Pico. Nach schwerer Kindheit auf dem Lande, in der ihm der Vater mit Gewalt „erzog“ , zieht es ihn mit 15 Jahren in die Stadt. Er lernt den Beruf des Frisörs, gründet eine Familie mit 3 Kindern (2 Söhne und eine Tochter) und beginnt durch viel Arbeit für ihrem Lebensunterhalt zu sorgen. Er arbeitet immer mehr – bis zu Stunden am Tag. Als Ausgleich beginnt er viel zu essen, obwohl er sowieso schon sehr einfach und schnell zunimmt. 2006 realisiert er, dass es so nicht weitergehen kann. Er wiegt inzwischen fast 150 kg und das viele Arbeiten ohne Pause bringt ihn an seine Belastungsgrenze. Er kehrt in sich, auch mit Hilfe von philosophischen Büchern des Dalai Lamas und anderen Philosophen, und überlegt , was er wirklich zum Leben braucht: Das ist essen und trinken. Von nun an reduziert er seine Arbeit, achtet auf seine Ernährung und weißt, worauf er verzichten muss: Konsumartikel. Immer stärker entfremdet er sich von dieser Form des Kapitalismus, das ihn „zwingt“ viel zu arbeiten, um sich neue Konsumartikel zu kaufen. Er verkauft den Fernseher und weitere Artikel, für die es sich seiner Meinung nach zu arbeiten lohnt. Warum sollte er soviel mehr arbeiten nur um sich diese Dinge leisten zu können? Seine Frau konnte dieser Form der Transformation nichts abgewinnen und so ging die Ehe aufgrund unterschiedlicher Lebensphilosophien in die Brüche. Seine zweite Partnerschaft ging erst vergangenen Monat in die Brüche, nachdem ein tragisches Ereignis aus dem Jahr 2016 die Beziehung schwer belastete: die beiden Töchter und der Ex-Ehemann der damaligen Lebensgefährtin kommen bei einem Autounfall um Lebens. Von dieser Vergangenheit spürt man auf den ersten Blick wenig. Martin ist ein sehr sozialer und stets lustiger und freundlicher Mensch. Den Beinamen “ El Loco“ trägt er, da er diese Offenheit, Herzlichkeit und gute Laune immer nach Außen trägt, oft einen witzigen Spruch auf Lager hat, mit seinem Fahrrad und Anhänger durch die Stadt und mit fast jeden ins Gespräch kommt ( bei einem Besuch einer Praxis eines Freundes beginnt er erst einmal mit jedem Patienten ein Gespräch anzufangen, macht Mate-Tee und reicht diesen herum). Oder ist es deshalb, weil er dem Kapitalismus widersagt und eine andere Lebensform sich erwählt hat? Denn Martin ist ein harter Kritiker des vorherrschenden Kapitalismus und setzt sich für einen starken Sozialismus (nicht Kommunismus!) ein. Seine vielen Argumente für ein anderes Zusammenlebensmodell kann ich aufgrund der Sprachbarrieren leider nicht wiedergeben. Er lebt jedoch eine Form des Zusammenlebens vor, die es zu würdigen gilt. Anstatt des Geldes tritt der Mensch für ihn in den Mittelpunkt des Zusammenlebens. Für ihn ist es gar keine Frage armen Menschen gratis die Haare zu schneiden.

Martin arbeitet heute nur noch 5 Tage in der Woche und maximal 8 Stunden am Tag. Er macht Yoga, meditiert und fährt mindestens eine Stunde Fahrrad am Tag, achtet auf seine Gesundheit und hat 2012 angefangen mit dem Fahrrad zu reisen. Das Besondere an ihm: er schließt jeden Menschen in sein Herz ist offen zu allen Menschen. Er lebt eine Leben vor, in dem das gemeinsame, fröhliche Leben in einer (Stadt-)Gemeinschaft als zentrale Bedürfnis des menschlichen Lebens angesehen wird.

Ein herzensguter Mensch

Kategorien: Menschen

2 Kommentare

Timo · Oktober 17, 2018 um 7:18 pm

Ganz stark, Deine Erlebnisse mit den Menschen, lieber Freddy. Genieße die Zeit, chicooo!

    Frederic Fritz · Oktober 30, 2018 um 4:36 pm

    werde ich chicoooooo! 🙂
    Freu mich auf einen Tee bei dir Zuhause 2019 😉

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