Gustavo mit seinen drei (Jagd-)Hunden

Gustavo ist 38 Jahre alt. Seitdem er 14 Jahre alt ist, ist er auf Reisen bzw. besser gesagt: „homeless“ (ich finde diesen Begriff passender als den deutschen Begriff Obdachlos). Von seinen Adoptiveltern aufgezogen und schlecht bzw. mit Gewalt behandelt, hat er eine schwere Kindheit. Nachdem sich die Adoptiveltern trennen, wird er vom Adoptivvater verstoßen. Von jetzt auf gleich befindet er sich auf der Straße. Ohne Essen. Ohne Obdach. Ohne Schutz. Von nun an ist er auf sich alleine gestellt.

Als er 25 Jahre alt wird, wird eine neue Person in ihm geboren: Philipe- der Clown.

Er erlebt schwere Zeiten, lebt in gefährliche Gegenden, doch einzelne Menschen helfen ihm immer wieder aus lebensbedrohlichen Situationen zu entkommen. Ohne Ziel reist Gustavo durch Argentinien: Auf dem Fahrrad. Er ist ein trauriger Mensch und kennt nur wenig Freuden. Als er 25 Jahre alt wird, wird eine neue Person in ihm geboren: Philipe- der Clown. An Ampeln stehend, versucht er als Clown den Menschen ein Lächeln in ihr Gesicht zu zaubern. Obwohl (oder gerade deshalb) er eine schwere Kindheit erfahren hat, will er den Menschen positiv entgegentreten und ihnen in den oft tristen Alltag etwas Wärme vermitteln. Die Kinder lieben ihn und die Liebe dieser Menschen gibt ihm die Kraft andere zu lieben und seinem Leben etwas Positives abzugewinnen. Zwar reist er immer noch ohne festes Zuhause durch Argentinien, doch in der Rolle des Philipe vergisst er seine Sorgen. Nur wenige Menschen kennen Gustavo, doch die gante Stadt kennt Phillipe. Trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage, stecken ihm die Einwohner während seines Clowntreibens immer wieder ein paar Pesos zu. Gustavos Alltag ist dagegen sehr triste: Seit Mai übernachtet er in der Dusche eines Parks und darf die kleine Küche im Nebenzimmer benutzen.

Die Küche- vom Teller, der auf dem Tisch steht, haben zuvor die Hunde gegessen. Obwohl er diesen mit einem (Tafel-)Schwamm und Spüli gewaschen hat, lasse ich eine Schicht Reis auf dem Teller

Horassio, ein etwa 60 Jahre alter Hausmeister, kommt fast täglich vorbei und bringt ihm ab und zu etwas zum Essen vorbei. Seine 3 Hunde, Camillo, Gina und Chico sind wie Kinder für ihn. Gustavo hat eine gute Seele, doch ist ihm seine schwere Vergangenheit anzumerken. Während des Sprechens, das er teilweise für mehr als eine Stunde nicht unterbricht, kommen immer wieder ernste Gesichtszüge in ihm auf. Sein sehnlichster Wunsch: irgendwann, irgendwo sesshaft zu werden. Er ist des Reisens müde.

Ich mag Philipe den Clown!

Ich habe 2 Tage mit Gustavo verbringen dürfen. Ich habe dabei einen hochintelligenten Mann kennengelernt, der sich sowohl in der weltweiten Politik auskennt, Englisch spricht und vielerlei technische Fähigkeiten mit bringt. Er hat ein gutes Herz und es war sehr interessant ihm und seine Weltansichten zuzuhören, auch wenn es teils anstrengend war, da er über Stunden alleine philosophiert hat. Ich glaube er war sehr froh jemanden zu haben, dem er sein Wissen preisgeben konnte. Zugleich habe ich aber auch einen Menschen kennengelernt, dem das Leben schwer mitgespielt hat. Doch selbst er hat sein weniges Essen (Reis mit Ei) und seinen Maté Tee geteilt und mir beim Saubermachen meines verdreckten Fahrrads und bei der Reparatur geholfen. Auch wenn die hygienischen Bedingungen für mich während der 2 Tage schwierig waren, war diese Begegnung mit diesem Menschen eine große Bereicherung.

Kategorien: Menschen

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