Kurze Pause vor den kommenden LKWs

Nach nicht einmal 10km spüre ich den Schmerz in der Quadrizepssehne wieder aufkommen. Mist! Während der Fahrt überlege ich mir, wie ich diesen Schmerz lindern kann und komm auf den Gedanken meine Fahrposition zu ändern. So stehe ich ab Kilometer 15 nun überwiegend auf dem Fahrrad. Ich habe zumindest das Gefühl, dass es nicht schlimmer wird. Ein gutes Zeichen. Notfalls stehe ich halt die ganze Fahrt über auf dem Fahrrad. Doch leider werden die Straßenbedingungen schlechter: Ein LKW nach dem anderen rast an mir vorbei. Ich habe kein PLatz auf der rechten Seite und es ist eine einspurige Straße mit Gegenverkehr. So muss ich immer wieder auf die Wiese ausweichen und den Verkehr sowohl im Rückspiegel als auch der entgegenkommende im Auge behalten. Wird es eng, fahre ich schon vorbeugend auf die Wiese, denn die LKWs bremsen nicht. Das ganze geht ganz schön auf die Nerven und meine Laune ist so ziemlich im Keller. Da ich stehend wesentlich unstabiler als sitzend bin, muss ich mich immer wieder hinsetzen, um den Verkehr im Auge behalten zu können und sicher zu manävrieren. So macht das Fahrradfahren kein Spaß und ich spiele mit dem Gedanken zumindest eine Teilstrecke per Zug zu überbrücken. Als ich dann auch noch an einer Unfallstelle vorbeifahre (ein LKW ist komplett auf die Gegenseite und hat sich dabei 180 gedreht?!?!) steht mein Entschluss fest: Ich nehme einen Zug. Doch das Blatt wendet sich. Auf einmal habe ich Glück. Aufgrund der Unfallstelle können nach mir nur noch wenige Autos passieren. Auf einmal kommt kein Verkehr mehr hinter mir nach. Das ist meine Chance: Ich gebe Vollgas und fahre durchgängig im Stehen: Nur noch 30 km bis Chivilkoy. Ich drehe mich wieder um: immer noch kein Auto in Sicht: Freddy, trete in die Pedale. Es sind nur noch 20km! Nur noch 10km! Dann sehe ich eine lange Auto-/LKW-Schlange hinter mir. Ich lasse den Verkehr passieren und warte. Der Himmel ist düster und ich bin etwas spät dran. Die letzten 10km sind noch einmal anstrengend, denn der Tacho weist schon 105 km auf. Jetzt brauche ich Glück. Als ich bei einer Tankstelle um eine Übernachtungsmöglichkeit bitte (das ist hier Usus–>siehe https://freddy-fritz.de/?p=535), wird mir diese verwehrt. Auch sonst kann ich in der Stadt keine Campingmöglichkeit finden. Es wird langsam dunkel. Als ich anhalte, merke ich auch noch, dass ich einen meiner neuen Flip-Flops verloren habe. Scheiße! What a shitty day! Was nun? Es wird dunkel und ich bin mitten in einer Stadt im Niemandsland. Menschen schauen mich an und beobachten den Fremden. Ich beschließe kurzerhand bei einem Gemüsehändler zu halten bei dem ich zuvor eingekauft habe und ihm um Hilfe zu bitten. Als er hört, dass ich von der Tankstelle zurückgewiesen wurde, ist er außer sich vor Wut. „Unerhört“, sei dies (das habe ich jetzt mal wohlwollend und frei übersetzt) und er ruft bei der Polizei an. Nach einigen Telefonaten steht klar: Ich kann in einem Park 10km außerhalb der Stadt übernachten. Zwar sind es noch 10km und es ist dunkel, doch ich bin froh, dass ich mich wieder auf die Menschen verlassen konnte. Und so streife ich durch Chivilkoy bis ans Ende der Stadt. Immer wieder werde ich von streunenden Hunden verfolgt, die es hier haufenweise gibt. Es ist nun stockdunkel als ich in den Park einfahre. Mein Fahrrad ist komplett verdreckt und ich bin nach 120 km total am Ende. Ich steige vom Fahrrad. Ein Hund kommt sofort und bellt. Als ich ihm etwas zum Essen gebe, ist er ruhig und lässt sich von mir streicheln. Dann begutachte ich ein Haus, das auf diesem Gelände steht. Es brennt noch Licht. Als ich eine Tür öffne entdecke ich verlassene Toiletten. Kann ich nachher bestimmt gut gebrauchen. Vielleicht gibt es sogar Duschen. Ich schließe die Tür wieder und kehre zu meinem Fahrrad zurück. Gerade werfe ich die Zeltplane auf den Boden als plötzlich ein Mann mit 3 Hunden neben mir steht: es ist Gustavo-alias Philipe der Clown!

Philipe-an diesem Tag sind nicht viel Autos in Chivilkoy unterwegs


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.