Schutz hinter einem Stein

Der Wind ist unglaublich stark und es finden sich kaum windgeschützte Stellen. Ich stelle mein Fahrrad ab und checke ein 200 Meter entfernten Platz von der Nähe. Mmm Nein, immer noch zu viel Wind hinter den 2m Hohe Steinen. Es geht also wieder rauf aufs Fahrrad. Keine Minute später hält ein Auto an: „ Alles in Ordnung bei euch? Braucht ihr Hilfe?“.“ Wir sind Ok, vielen Dank der Nachfrage!“ In 500 Meter Entfernung erspäht Pedro ein altes verlassenes Haus. Wir kämpfen uns Meter um Meter fort. Pedro bezweifelt, dass es Jo bis zu uns schaffen wird. Wir gehen davon aus, dass er bis heute Abend evtl. nicht auf uns aufschließen kann. Wir kommen den „verlassen Haus“ etwas näher und können nun die Umrisse des Gebildes besser erkennen: es handelt sich um einen großen Steinbrocken. Egal, es ist die einzige Stelle weit und breit, die einigermaßen windgeschützt ist. Völlig erschöpft suchen wir Schutz hinter dem Felsbrocken. Ich brauche einige Minuten bevor ich die Kraft besitze das Zelt aufzubauen. Vorher müssen noch einige Steine aus dem Weg geräumt werden. Es wird langsam dunkel und von Jo immer noch keine Spur. Ich glaub weiterhin, dass er zu uns aufschließen wird, denn ich glaube, dass er ihm unsere Gesellschaft gut tut und er diese auch genießt. Dann entdecken wir am Ende der Straße Jo. Er schmeißt sich dem Wind entgegen und erreicht dann auch völlig erschöpft unseren halbwegs windgeschützen Platz. Wir sind müde, erschöpft und die Mägen sind hungrig. Es muss also noch gekocht werden: wie auch schon die letzten Tage gibt es Reis mit Instant Noodles. Wir versuchen es erst draußen, windgeschützt hinter mehreren herbeigeholten Steinen. Wir merken schnell, dass das nichts wird und kochen auf meiner Seite des Zeltes nur um dann nach 15 Minuten zu merken, dass auch hier der Wind die Flamme zu stark beeinträchtigt. Also müssen die ganzen Kochutensilien zu Pedros Seite. Erst hier können wir einigermaßen gut kochen. Es dauert noch eine weitere Stunde bis das Essen endlich fertig ist. Pedro will das Essen auf die Teller verteilen und stößt dabei unglücklich den Kochtopf um. Wir haben Glück und nur wenig geht verloren bzw. wir können das meiste wieder in den Topf befördern. Für Hygiene ist es der falsche Zeitpunkt. Wir brauchen Nahrung.

Entkräftet…

Die Strapazen der vergangenen Tage zerren am Körper. Doch wir wissen, dass wir heute die Grenze erreichen werden. Mit festem Ziel im Blick raffen wir uns am Morgen wieder auf. Glücklicherweise hat der Wind nachgelassen. Pedro merkt schon am Morgen, dass es wieder in seinem Magen rumort und er einen weniger fitten Tag haben wird. Der heutige Tag wird anstrengend für ihn werden. Zuerst müssen wir noch die letzten Meter des Passes überwinden. Sind zwar nur 100 Höhenmeter, aber schon diese bereiten den müden Muskeln Mühen. Doch die Straße ist geteert und Wind zeigt sich auch von einer versöhnlicheren Seite. Mit reichlich Motivation endlich Tajikistan zu verlassen fahren sich die ersten 30km leicht. Doch dann fängt es wieder an: Die Straßen werden ungeteert und schlecht (immer wieder muss man rechts/links/mitte den best möglichen Schotterweg finden ohne dass man im Sand stecken bleibt oder über gewellte Stellen fährt), der Wind gewinnt an Stärke und es geht auch wieder den Berg hoch.

Kurz hinter dem Pass

Wie auch schon oft zuvor beim bergauf fahren, fahre ich den anderen beiden voraus. Ich warte 100 Meter vor der Grenzstation auf die anderen Beiden. Jo kommt nach 15 Minuten auch oben an. Völlig entkräftet. Wir warten ein bisschen und machen uns dann auf zur Grenzkontrolle. Es ist die bisher abgefahrenste Grenzstation die ich gesehen habe. Es handelt sich um eine Hütte. Darin sitzt ein etwas kräftiger Mann neben einen durch Kohle betriebenen kleinen Ofen. Hier ist die Zeit stehen geblieben. Er notiert unsere Daten auf ein Blatt Papier. In schöner Schrift und ordentlich unter die Daten der anderen heute ausgereisten Personen. Ich könnte in der schnuggeligen Atmosphäre in der Hütte mich gerade schlafen legen, aber wir müssen weiter nach Sary Tash, dem kirgisischen Dorf, welchem danach die chinesische Grenze folgt. Als wir aus der Hütte treten kommt nun auch Pedro an. Er ist völlig entkräftet und schleppt sich ins Grenzhäuschen. Wer dachte wir hätten mit diesem Hüttchen die Grenze überwunden, der irrt sich. Ein völlig vermummter Mann mit Pistole ganz locker in der Hose hängen kommt auf mich zu. Mir ist ein bisschen mulmig, aber er grüßt einfach nur freundlich und fragt, woher ich komme. Kurzer Smalltalk – wir sind das langsam gewohnt. Als Pedro sich auch „ausgetragen“ hat, machen wir uns weiter zum „ausstempeln“, dabei passieren wir eine kleine Baustelle, bei der eine etwas größere Grenzstation gebaut zu werden scheint. Bei der „Ausstempel-Hütte“ begrüßen uns freudig 2 Zöllner. Beide unbewaffnet und eher zivil gekleidet. Einer davon scheint nicht älter als 25 zu sein. Pedro und ich geben unsere Departure Karte mitsamt Reisepass ab. Jo hatte keine beim Einreisen bekommen und gibt nur den Reisepass ab. „ohhh, big problem!“, sagte daraufhin sofort der jüngere der Beiden, der aber von nun an sofort ein ernstes Gesicht aufsetzt. Er schaut in den Reisepass und sagt zu Jo: „Jonathan, you go back Dushanbe“, Jo daraufhin: „ No way, i go back to Dushanbe. They didnt give me any card, so it´s not my fault“. “You have big Problem, Jonathan”, sagt der Zöllner darufhin. Während wir unseren Ausreisestempel in den Reisepass bekommen, kramt der junge Zöllner ein Buch mit russisch/englischen Sätzen heraus. Er zeigt auf einen Satz:“ You have broken the law!“. „You go back to Dushanbe!“ wiederum der Zöllner.”No way I go back”, daraufhin wieder Jo. “ You are a bitch, Jonathan”. Was ist denn hier los, denke ich mir und nehme meinen Reisepass in Empfang. Sie sagen, dass wir gehen könnten, aber Jo bleiben müsste. Pedro und ich sind uns aber einig, dass wir nur zu dritt diese Hütte verlassen und schauen dem Schauspiel weiterhin zu.“ 30 Dollar, then you can go“, dann der Zöllner. Aha, darauf läuft es also heraus. Das war irgendwie von Anfang an klar. „We dont have any money anymore“, wir daraufhin wenig glaubhaft. Es vergeht eine Minuten, in der nichts gesagt wird. Die Standpunkte sind klar. Unser Problem ist, dass Jo nur einen 100 Dollar Schein hat. 30 Dollar ist sowieso viel zu viel. Ich komme mit Jo überein, dass ich meine 10 Dollar Note hole und sie ihm gebe. Ich hole meine 10 Dollar Note, reiche sie ihm den Zöllner und sage, dass dies unser einziges und letztes Angebot sei! Die Zöllner schauen sich in die Augen, nicken einstimmig und geben Jo den Stempel in den Pass. Wir können gehen!

Goodbye Tajikistan

Schlagartig verändert sich die Natur! Es wird grüner, hügeliger ohne aber dass der große Gebirgszug im Hintergrund verschwindet. Die kirgisische Zollstation lässt auf sich warten. Auch die Straßen sind nicht so gut, wie es uns zuvor berichtet wurde. Pedro kämpft weiterhin mit seiner Schwäche aufgrund der immer wieder kommenden Magen-Darm-Problemen. Jo und ich fahren voraus, warten bis Pedro aufschließt und fahren wieder weiter. Dann nach 30 Minuten endlich die Zollstation. Alles läuft super einfach. Pass abgeben, Stempel rein, Pass zurück. Die Gepäckkontrolle dürfen wir als Fahrradfahrer wie auch schon in anderen Ländern ohne Kontrolle passieren. Man merkt, dass Kirgistan reicher als Tajikistan ist. Die Straßen werden besser und die Zöllner inklusive Zollstation sind sehr gut ausgerüstet. Wir treffen auf den Weg nach Sary Tash zwei Nomadenjungen auf einem Esel. Sie scheinen den Umgang mit Tourenradler schon gewohnt zu sein und fahren gezielt nach Snickers – das einzige Nahrungsmittel, welches ein Stück Luxus im kargen tajikischen Essenwahlmöglichkeiten versprach. Wir geben ihnen nichts (haben selbst nur noch Reis), liefern uns aber ein kleines Esel-Pferd-Rennen, welches sie gewinnen. Wir sind zu schlapp bzw. wollen unsere Kräfte nicht aufbrauchen. Gerade Pedro hat von nun an stark zu kämpfen. Wir haben nämlich wieder richtig Pech mit dem Wind. Er peitscht und von vorne nur so entgegen. Kein Baum, keine Berge bieten uns Schutz vor dem eisigen Wind. Und wir müssen nach Sary Tash! Unsere Essensreste neigen sich dem Ende entgegen und wir müssen am nächsten Tag die chinesisch/kirgisische Grenze erreichen. Pedro fährt in meinem Windschatten. Er ist körperlich und auch mental fast am Ende. Konzentriert sich nur noch auf mein Hinterrad und tritt in die Pedale. Kurz vor Sary Tash halte ich an um auf Jo zu warten. Pedro fällt fast vom Fahrrad und legt sich auf den Boden.  Gemeinsam als Team, fahren wir dann zu dritt in Sary Tash ein. Auf den ersten Blick lassen sich die Dörfer von denen in Tajikistan nicht unterscheiden. Wir wechseln Geld und es entsteht eine kleine Auseindersetzung zwischen Pedro und mir. Wir haben nur 10 Dollar. Was sollen wir mit dem Geld machen? Ich bin dafür 4 Dollar für ein warmes Essen auszugeben, um Pedro wieder ein bisschen Leben einzuhauchen, unsere letzte gemeinsame Fahrt zu dritt zu zelebrieren (Jo bleibt in Kirgistan) und nach einem anstrengenden Tag nicht in der Kälte kochen zu müssen. Pedro ist dafür, dass wir das gesamte Geld für den morgigen Tag investieren. Also Reis bzw. instant noodles kaufen. Ich habe noch 4 Dollar als Notgroschen im Geldbeutel und entscheide mich diese jetzt einzusetzen. Ich bezahle unser Essen! Wir schlagen unser Zelt im Dorf auf einer Wiese auf und schlafen völlig entkräftet ein.

Trotz den Strapazen – lächelnd 🙂

Am Morgen kommen mal wieder die ersten Hirten an unser Zelt vorbei. Heute eine etwa 25 Jährige Frau und wenig später bringt auch ein 5 Jähriger Junge seine Kuh auf die Wiese. So werden wie auch schon an vielen Tagen zuvor von Ziegen, Schafen, Kühen und Kinder geweckt. Sehr schnell kommt die Frage bei der Frau auf, ob wir verheiratet sind. Ich habe keine Lust auf Diskussionen schon am frühen Morgen und antworte, dass ich eine Frau und zwei  Kinder habe. Wir bauen das Zelt unter Beobachtung des kleinen Jungen ab und verabschieden uns von Jo. Werden wir bzw. ich ihm wiederbegegnen. Wir hoffen es, haben aber unterschiedliche Reisepläne. Mögen wir uns wiedersehen-inshallah.

Wir haben Wind-Glück!!! Ein seltenes Gefühl! Der Wind dreht sich heute gemäß unserer Fahrtrichtung. Ein Traum, gerade auch deswegen, weil Pedro noch immer sehr schwach ist. Trotzallem ist die Fahrt nicht angenehm. Es ist kalt und ab und an weht ein eisiger Graupelschauer. Doch die Natur entschädigt uns. Eine atemberaubende Gebirgslandschaft begleitet uns auf unseren Weg zur Grenze. Die Zieleinfahrt nach China ist so noch einmal ein Highlight unserer Reise. Auch unsere Stimmung ist erstaunlich gut! Ich glaube, dass wir so langsam realisieren was wir erreicht haben! Wir sind keine 30 km von der chinesischen Grenze entfernt. Pedro stellt sogar einen neuen Speed-Rekord auf! Noch ein letztes Mal passieren wir eine Militärkontrolle, dann kommen wir auch schon am letzten kirgisischen Dorf vor China an. Alle Häuser sind hier blau angemalt. Kein Kilometer dahinter bauen wir unser Zelt auf. Wir umarmen uns und beglückwünschen uns. Morgen geht’s nach China!!! Wir freuen uns am meisten auf das Essen! Können es kaum erwarten.

Camping in Sary Tash

Fahrt zur chinesischen Grenze

Eine 2-3 Kilometer lange LKW Schlange erwartet uns am Morgen. Wir stehen extra früh auf, da die Grenzüberquerung nach unseren Informationen sehr lange dauern kann. So warten wir erst einmal 30 Minuten an der kirgisischen Grenze bis diese geöffnet wird. Ohne größere Probleme reisen wir aus Kirgistan nach nur 2 Tagen aus. Wir fahren an den chinesischen Zoll. Dort erwartet uns erst einmal eine Gepäckkontrolle auf die wir aber wieder einmal 30 Minuten warten müssen. Wir sind die einzigen „Gäste“ hier. Der Kontrolleur ist noch nicht eingetroffen, informieren uns die 3 netten Frauen an der Kontrolle. Als wir dann auch diese Kontrolle passieren. Beginnt das Verhandeln mit den Taxifahrern. Die nächsten 140km dürfen wir nicht mit dem Fahrrad fahren. Wir müssen ein Taxi nehmen! Der erste Taxifahrer will 90 Dollar. Wir haben nur 60 und wissen von Douggie, dass es normalerweise 30 Dollar pro Person kostet. Nach zähen Verhandlungen ist ein Taxifahrer bereit uns für 60 Dollar zu fahren. Ich mache ihn aber darauf aufmerksam, dass unsere Räder niemals in sein normales Auto passen. Er meint: „ Lass das mal meine Sorge sein!“ ( soweit ich seine Zeichensprache verstehe). Und tatsächlich. Irgendwie schafft er es beide Fahrräder in und an den Kofferraum zu binden. Ein Meisterwerk!

Das Meisterwerk!

Es folgt eine angenehme Fahrt in schöner Landschaft. Immer wieder können wir chinesisch-uigurische Siedlungen erkennen. Alle Häuser sind gleich gebaut und umgeben von einer Mauer. Gefangene im eigenen Land oder ein Lebensstandartsprung aufgrund der neueren Häuser? Für beides gibt es Fürsprecher. Das die uigurische Minderheit hier jedoch bewusst provoziert und diskriminiert wird, erleben wir an der eigentlichen Einwanderungsbehörde. Denn, bis jetzt haben wir keinen Stempel im Pass. Noch sind wir nicht amtlich in China! Als wir also an der Einwanderungsbehörde/Zoll ankommen, wird uns gesagt, dass hier erst einmal Mittagspause ist. Man halte im Hinterkopf, dass wir quasi so schnell wie möglich hier hergefahren sind. Wir waren die Ersten, die am Morgen die Grenze überquert haben und sind dann in das erste Taxi gestiegen. Das heißt, noch früher kann man kaum ankommen. Trotzdem haben die Zöllner Mittagspause. Wer denkt, dass nach einer Stunde geöffnet wird, irrt sich. Wir warten 3 Stunden! Gegen 17 Uhr wird der Zoll dann geöffnet. Das Taxi lädt uns keine 500 Meter später ab. Forsch erwähnt ein Zöllner, dass unsere Pässe bereit sind und wir uns beeilen sollen. Wir sind am Fahrrad aufbauen und ich erwidere, dass wir ja so schnell wie möglich aufbauen. Dann noch einmal Gepäckkontrolle, 2 Arrival-cars ausfüllen und wir sind in China!!!!!

Wir habens geschafft!

Wir suchen sofort die nächste Bank auf. Doch haben leider kein Glück- die Bank ist geschlossen. Pedro und ich haben Hunger und so beschließen wir erst einmal etwas zu kochen-instant noodles. Danach machen wir uns auf in die Stadt. Blitz, Blitz macht es bei der Einfahrt. Wie von jedem Verkehrsteilnehmer wird auch von uns ein Bild bei der Ein-und Ausfahrt in die Stadt gemacht. Der Überwachungsstaat lässt grüßen. War es am Anfang noch etwas unangenehm, so gewöhne ich mich auch an diese Überwachungsmethode. Etwas ungewohnter dafür andere Überwachungs- bzz Sicherheitsmaßnahmen. Tankstellen sind abgeriegelt und nur mit dem Vorzeigen eines Ausweises zu betreten. Auch sonst werden viele Gebäude durch Metalldetektoren kontrolliert. Überall ist Sicherheitspersonal- Willkommen in der unabhängigen Provinz Xingjiang (Uigurengebiet). Nach mehrmaligen Versuchen finden wir schließlich eine Bank, welche unsere Visakarte akzeptiert, doch die Dämmerung beginnt schon und so campen wir keine 5 Kilometer von Uluquat entfernt. Ein Esel begrüßt uns beim Zeltaufbauen lauthals. Ich weiß nicht woher die Kinderbücher das „ia“ eines Esels herhaben, jedenfalls ist der Laut eines Esels ein ganz anderer. Es passt vielmehr zu einem um das eigene Leben kämpfende Lebewesen. Der Esel machte uns unmissverständlich klar, dass wir hier nicht wirklich willkommen sind. Das stört uns jedoch nicht, denn wir sind müde und erschöpft. Im Nachhinein vielleicht die falsche Entscheidung, denn nachts scheint der Esel, welcher wohl zurecht nicht zur schlauen Tierspezie zählt, zu vergessen, dass er uns schon gesehen hat und wiederholt seinen Schrei mehrmals. Und der Esel bekommt Unterstützung. Ein Hund entdeckt uns nachts und beschwert sich nicht minder laut. Nachdem der Hund ohne Unterbrechung 15 Minuten am Bellen ist, reicht es Pedro. Er packt sein Messer und sein Licht, geht aus dem Zelt und rennt auf den Hund zu. Dieser versteckt sich hinter dem Esel und hört auf zu bellen. Pedro kehrt wieder in seinen Schlafsack zurück. Doch so einfach gibt sich der Hund nicht geschlagen. Er macht wieder einige Schritte auf das Zelt zu und bellt wieder laut und ohne Unterbrechung. Nun reicht es mir und so gehe ich mit Pfefferspray und Licht bewaffnet aus dem Zelt und dem Hund entgegen. Wieder sucht er Schutz hinter dem Esel. Ein Bild, welches Bilderbuchcharackter aufweist. Jedoch habe ich zu diesem Zeitpunkt keinen Nerv dafür. Ich brauche meinen Schlaf! Aus irgendeinem Grund gibt sich der Hund geschlagen und lässt uns von nun an in Ruhe schlafen.

Weg nach Kaschgar. Freie Kamele kommen uns entgegen

Die Sonne weckt uns wieder früh am Morgen! Es ist unser letzer gemeinsamer Tag auf dem Rad und das Ziel Kaschgar(Kashi) ist mit 80km nicht fern. Die letze Fahrt ist noch einmal eines der Highlights. Es geht auf guten Straßen, mit wenig Verkehr überwiegend bergab. Tolle Landschaftsbilder begleiten uns rechts und links, Kamele kreuzen unseren Weg, chinesisch/uigurische Dörfer werden passiert. Und dann die Einfahrt in die Altstadt Kaschgars. Ein Traum! Enge Gassen voll von kleinen handwerklichen Betrieben ist verleihen der Stadt einen außergwöhnlichen Charakter. Nach der Gasse der Schmiede, folgt die der Schreiner. Wir passieren weitere Gassen in denen Schmuckhändler oder Antiquitätenhändler ihre Waren anbieten. Der Duft von Essen liegt in der Luft. Es ist eine alte Karawanenstadt, die ihren Charme noch nicht verloren hat, selbst wenn die han-chinesische Planraupe auch vor der Altstadt Kaschgars keinen Halt macht. Ein würdiger Abschluss unserer gemeinsamen Reise.

„Wenn wir in China ankommen, werden wir erst einmal richtig Essen gehen. Wir essen was wir können, tagelang.“ Während unserer Zeit im Pamirgebirge, stellten wir uns immer wieder vor, wie viel wir bei unserer Ankunft in China essen werden würden. Jeden Tag sehnten wir uns nach gutem Essen. Nun waren wir endlich in Kaschgar angekommen! Doch Pedro hat weiterhin Magen-Darm-Probleme und fiel wieder in ein Tief. Verständlich, wenn man bedenkt wie stark sein Körper und Geist in den letzten 2 Wochen beansprucht wurde. Jetzt konnte er sich nicht einmal mit gutem und viel Essen belohnen. Spätesten hier entschied er sich, nicht mehr weiter mit dem Fahrrad zu reisen. Er war des Reisens mit dem Fahrrad müde geworden. Während ich mich langsam aber sicher an das asiatische Essen gewöhne und täglich neues Essen ausprobiere, plagen Pedro nach fast jedem Essen wieder Magen-Darm-Probleme. Doch sowohl Pedro als auch ich brauchen eine Auszeit von Fahrrad fahren. Einfach nichts tun, essen, schlafen, vielleicht ein bisschen lesen. Während den 7 Tagen in einem Art Karawanenhostel, lerne ich Francesco aus der Schweiz kennen. Auch er ist mit dem Fahrrad von der Schweiz aus mit dem Ziel China gestartet. Genauso wie ich will er mit dem Zug den größten Teil Chinas hinter sich lassen, um in Südostchina noch einmal mit dem Fahrrad zu fahren. Er ist mir bei meiner Zugplanung behilflich und ich entscheide mich, ihn bei einem Großteil der Zugreise zu begleiten. Bei 70 Stunden Zugfahrt ist ein sympathischer und lustiger Reisepartner sicher nicht von Nachteil. So mache ich mich Anfang Oktober über Tolufan und Chengdu auf den Weg nach Kunming.

Kaschagar-Ort der Schönheit und der Unterdrückung

Was Pedro und ich in den letzten 6 Monaten erlebt haben wird uns erst Monate (wenn nicht Jahre) danach bewusst. Mein Reisepartner und Freund wird mir fehlen. Doch neue Herausforderungen warten auf mich.

Die Tajikistan Crew!


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