„Der Norden ist der interessanteste und schönste Teil Argentiniens“

„Der Norden ist der interessanteste und schönste Teil Argentiniens“. Es sind diese Worte, die mir von Anfang an von Hugo, meinem ersten Host in Buenos Aires, mit auf dem Weg meiner Reise gegeben wurden. Dies liegt nicht nur an der Landschaft, sondern auch an den Menschen, die sich hier in einer Hinsicht grundlegend von den anderen Teilen Argentiniens unterscheiden: Die indigene Bevölkerung bzw. ihre Nachfahren sind hier augenscheinlich wesentlich stärker in der Bevölkerungszusammensetzung vertreten. Die bisherigen Städte und Dörfer wurden weitestgehend von europäischen Einwanderer der letzten Jahrhunderte geprägt. Deutsche, Italiener, Spanier, Schweizer. Die indigene Bevölkerung wurde weitestgehend vertrieben. Hier im Norden ändert sich dies. Gesichtsstrukturen, Hautfarbe und Körperstrukturen ändern sich. Man merkt die Einflüsse der bolivianischen Ureinwohner, die im Norden Argentiniens leben und ihre eigene Sprache, Quechua, sprechen oder auch der Guarani-Indigenen, dessen Sprache heute noch im Norden Argentiniens oder auch und vor allem noch in Paraguay gesprochen werden. Das Fremde, vor dem manche Menschen Angst haben, zieht mich an. Und so genieße ich es schon mehrere Hunderte Kilometer vor Salta immer mehr Menschen anzutreffen, die merklich „gemischtes Blut“ in ihren Adern haben. Neue Eindrücke, neue Erfahrungen, Horizonterweiterung!

Keep it chillin

Ob es mit ihrem ethnischen Hintergrund und der damit verbundenen Diskriminierung zu hat oder Zufall ist (von dem ich nicht ausgehe): der Norden wirkt ärmer. Die Behausung sind einfach gebaut, es gibt viele Straßenhändler, die für wenig Geld Essen, Trinken, Bekleidung oder Billigware aus China oder Bolivien verkaufen. Die Straßen sind lebendig, Menschen sind offen, gesprächsbereit und oft sehr freundlich. Nachdem ich zuvor überwiegend mit der Natur, ihren Widrigkeiten und Schönheiten konfrontiert wurde, darf ich nun stärker in den Kontakt mit fremden Kulturen und ihren Verhaltensweisen treten.


So sitze ich mit gutem Gefühl auf meinem Esel den Norden Argentiniens, Bolivien und Lima fest im Blick. in 2 Monaten sollte ich in Lima sein. Dort will ich mich mit Conrado treffen, welcher mein Fahrrad und ein Teil meiner Ausrüstung übernehmen wird, um sich seinen Traum von der Fahrradreise um die Welt verwirklichen zu lassen. Lebe deinen Traum, wenn du die Möglichkeit dazu hast! Das der Norden Argentiniens kein Geheimtipp ist, merkt man an den merklich stärker vertretenen Tourismus. Das liegt sicherlich auch daran, dass es hier günstiger ist als in den restlichen Landesteilen. Argentiniens Menschen, welche sehr reiselustig sind, aber aufgrund der wirtschaftliche Krise kaum Geld in der Tasche haben, zieht es zum Urlaub machen nun verstärkt in den Norden. Hier bekommt man ein Sandwich mit hochwertigem Fleisch, Ei, Schinken und Käse noch für einen Euro.

Darfs ein Sandwich sein?


Die Gegend rund um Salta haucht mir den dringend benötigte frische Wind ein. Was könnte die gute Stimmung aus neuer Kultur, gutes, aber billiges Essen und schöne Landschaften noch drüben? Es ist mal wieder der Wind, der stark aufs Gemüt weht. In so einer Situation tut Unterstützung von Außen gut. Und wie es so beim Reisen ist, sollte diese auch schnell kommen: ich lerne die erfahrenen Weltreisende Mewes und Astrid kennen, die gerade das zweite Mal hier in Südamerika unterwegs sind. Ich höre mir gerne ihre Geschichten aus Jahrzehnte langer Fahrradreise Erfahrung an und lerne von ihnen wieder den Moment stärker zu genießen.

Ein Morgen mit Mewes und Astrid – eine Ansammlung an Wissen und Geschichten

Und dann kommt das, was ich schon so lange vermisst habe: Grüne, frische Landschaften. Ich genieße die Nacht in einem Feld voller Pflanzen, Bäumen und Tieren. Mit dem festen Vorhaben sich später auf der Reise noch einmal zu begegnen breche ich 2 Tage früher als Mewes und Astrid aus Salta Richtung der bolivianischen Hochebene (4000m) auf. Ich fahre durch einen Regenwald auf kleiner verkehrsberuhigter Straße und komme am 6. April in San Salvador de Jujuy an.

Regenwald vor San Salvador de Jujuy

Ab jetzt sollte es bergauf gehen. Doch ich sollte mich täuschen. In der Nacht zum 7. April sucht mich ein starker Schmerz im Unterleib heim, der auch nach 3 Tagen nicht wesenlich besser wird. Drei Tage später befinde ich mich bei einem Arzt im Sprechzimmer. Es sollte erst einmal nicht mehr weitergehen! Die Fahrradreise wird auf unbestimmte Zeit nicht weitergehen können.

Quo vadis?

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