Shincals`Stufen zum Himmel

Des Öfteren habe ich schon davon berichtet, dass ich in Gegenden, die sehr stark vom Tourismus gekennzeichnet sind, eher abstoßen. So habe ich große Touristenattraktionen wie den Perito Moreno Gletscher, den Torres del Paine Nationalpark oder auch El Chaltén ausgelassen. Sehr zum Entsetzen anderer: „You HAVE to visit it! It´s amazing!“ Abgesehen davon, dass man sowieso nicht alles sehen bzw. gesehen haben muss, verkennen viele zwei Dinge:

Zum einen erfährt man als Reiseradler fast tagtäglich wunderbare Erlebnisse in der Natur. Man hat die Möglichkeit Landschaften zu begegnen, die zwar nicht auf jedem Instagram Account anzutreffen sind, die aber oft sehr schön sind. Ich habe also gar nicht das Bedürfnis, die Backpacker-Landschaftsattraktionen anzulaufen, da ich ihnen tagtäglich begegne. Zum anderen verliert aber auch ein Ort seine Attraktivität, oder ich würde eher sagen ihren Zauber, wenn er von vielen Touristen umgeben ist, die ihre Handys zücken, Videos drehen und neue Instagram Fotos schießen. Da ich mich darüber nicht beschweren kann, da ich selbst einer bin, bleibt mir nur die Möglichkeit neue, ruhige Orte zu finden, in denen man den Zauber der Umgebung wahrnehmen kann. Dies fällt einem von Jahr zu Jahr schwieriger, da die starke Vernetzung der Menschen und der ansteigende Bedarf (bzw. die Möglichkeit) zu reisen, in den letzten Jahren rasant gestiegen ist. Wie verhält es sich aber mit Orten wie z.B. Machu Picchu, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit angeblich nicht zu ersetzen sind? Also ein „Have to go“ – Ort ist.
Ich persönlich habe schon oben erwähnt, dass diese „Have to go“ – Orte ihren Zauber aufgrund der Menge an Touristen schon längst verloren haben. Im Falle des Machu Picchu ist die Menge an Touristen sogar schon zur Bedrohung der archäologischen Stätte geworden. Ich möchte im Folgenden eine Alternative eines „Have to Go“ – Ortes wie des Machu Picchus am Beispiel der Inkastätte „Shincal“ vorstellen.


Langzeitiges Planen beim Reisen ist nichts für mich. Doch die letzten Wochen bin ich den Gedanken nicht losgeworden, ob ich nicht die Inkastätte Machu Picchu besuchen sollte. Schließlich ist es mein Wunsch, Mensch und Natur kennenzulernen. Die Geschichte ist Teil dieses Landes und dazu gehört sicherlich auch das Inka-Imperium, das im Westen Südamerikas weite Teile des Landes im 15. und 16. Jahrhundert beherrschte. Die Entscheidung, ob ich nun die Inkastätte Machu Pichu besuchen sollte, wurde mir abgenommen, als ich zwei Tage bevor ich die Kleinstadt Belen erreichen sollte, von einer Inkastätte namens Shincal erfahren sollte. Lass dich gleiten Freddy…Und so fahre ich mit meinem Fahrrad am 31. März in das Areal der alten Provinzhauptstadt der Inkas Shincal ein.

Shincal, im Nordosten Argentiniens gelegen, war eines der administrativen, politischen und zeremoniellen Zentren der Inkas in Argentinien. Die sakrale Gebäudestruktur, welche nach der Sonne ausgerichtet ist, wurde zwar nur von 800 Menschen bewohnt, jedoch kamen bei Festen, wie z.B. dem Sonnenfest am 21.06., bis zu 20.000 Menschen aus der ganzen Umgebung zusammen. Mit 4 weiteren Touristen und einer Expertin der archäologischen Stätte, darf ich in einer ein-Stündigen Führung durch sie sonst menschenleere Stätte die Macht dieses Ortes auf mich wirken lassen. Begleitend von den Erläuterungen der Expertin schweife ich in die Welt der Inkas ab. Hier ein kleiner Einblick:

  1. Der Inkapfad/-weg
Straßennetzwerk der Inkas (konnte auch mehr als 2m breit sein)


Ähnlich wie auch im Römische Reich baute das Inkareich ein riesiges Straßennetzwerk auf, um ihre Machtzentren zu verbinden und Macht zu sichern. Dieses Straßensystem baute auf bereits bestehenden Straßenwege der vor-inkaischen, einheimischen indigenen Kulturen auf und erreichte durch ihren Ausbau (Brücken, Vergrößerungen, Verbindungen) eine Gesamtlänge von 30.000 Kilometer. Über dieses Straßennetzwerk konnten die einzelnen lokalen Herrscher, welche entweder aus dem Inka-Kerngebiet um Cusco stammend, in die einzelnen Regionen geschickt oder aber aus diesen in Cusco „ausgebildet“ wieder in ihre Heimatstätte entsandt wurden, Informationen innerhalb weniger Tage Tausende von Kilometer weit überbringen. Die Boten, Chaski genannt, würden mich auf dem Fahrrad um Tage unterbieten, wenn es darum gehen würde, eine Information von Shincal in das Machtzetrum nach Cusco zu überbringen. Auch wenn ich die heutigen Straßen benutzen könnte.

2. Kallanka

Lagerhalle, welches aber auch, je nach Bedarf, für administrative zwecke benutzt wurde.


3. Die Stufen zum Himmel


Diese Stufen wurden von den Inkas gebaut, um die 20 bis 25 Meter großen Hügel betreten zu können, auf dem eine Plattform errichtet wurde, um zeremonielle Ereignisse abhalten zu können. Diese Plattform war das sakrale Zentrum der Inkastätte, Ort astronomischer Untersuchungen und Verbindungsstätte mit Mond und Sonne.

Shincal



6 Kommentare

Irmgard und Martin, SONJA · Juni 6, 2019 um 7:56 pm

Schon ist die Jahresmitte fast erreicht und somit dürfen wir Dir zu deinem heutigen Geburtstag gratulieren und dir weiterhin einen glückenden Verlauf deiner beeindruckenden Reise wünschen.
Wir lesen mit Interesse deine Berichte.

    Freddy · Juni 9, 2019 um 3:15 pm

    Vielen lieben Dank Martin, Irmgard und Sonja!
    Das freut mich, dass ihr an mich gedacht habt.
    Liebe Grüsse!

Monika Breitsch-Frey · Juni 8, 2019 um 1:26 pm

Wir sind begeistert, wie du deine Ziele planst oder weiter ziehst. Viel Freude weiterhin wünschen dir
Monika und Michael.

    Freddy · Juni 9, 2019 um 3:16 pm

    Hallo Monika und Michael,
    Ich versuche meine Ziele so gut es geht zu erreichen.
    Es klappt nicht immer 🙂
    Liebe Grüsse an euch!

Jonathan · Juni 13, 2019 um 8:35 pm

Wow, nice place !

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