Als wir Malargüe verlassen, wissen wir, dass wir von nun an erst einmal folgendes vor uns haben. Gerade, weite Strecken.

Es ist schwierig zu beschreiben, was diese lange Strecken mit einem machen. Während Jo noch nebenbei podcasts hört, bin ich der Laune der Natur mit all meinen Sinnen ausgeliefert(oder: kann diese mit all meinen Sinnen begreifen). Und da die Natur nur wenig Spannendes auf diesen Strecken für einen bereit hält, ist die einzige Motivation, die mich in die Pedale treten lassen die sportliche Ambition sich seinem Geist und Körper diesen Gegebenheiten auszusetzen. Freude kommt dann am Abend auf, wenn man sich in sein Zelt verkriecht oder den Sternenhimmel anschaut.

Sternenhimmel

Am Morgen kann die Freude jedoch schnell vorbei sein, überall lauern Gefahren….in Form von Dornen. Diese Dornen sind kein Kindergeburtstag: sie durchstechen alles. Vom Zelt, über die Matraze, bis hin zu den Schuhen und den Reifen. So stellt sich jeden Morgen die Frage: „Odin, bist du sauer auf uns oder bist du uns wohl gesonnen?“ So stellt es sich in der Pampa ein, dass wir jeden Morgen als erstes unsere Fahrradreifen prüfen. Der erste Morgen scheint für uns beide gut zu laufen. Danke, Odin! Doch nachdem wir keine 100 Meter nach unserem Schlafplatz ein kleines Fotoshooting machen, merke ich, dass ich einen Platten habe. Der Tag beginnt ja schon einmal gut. Habe ich Odin verärgert?

Umgeben von Dornen

Ein leichter Wind hilft uns jedoch am Morgen voranzukommen. Hat sich Odin wohl nur einen kleinen Scherz mit mir erlaubt. Doch der Wind dreht sich tagsüber und mir wird bewusst, dass ich Odin etwas opfern muss. Am nächsten Morgen ist es dann soweit. Ich opfere ihm ein paar Tropfen Wasser. „Freddy, nein! Wir brauchen das Wasser!“, ruft mir Jo mit einem Schmunzeln hinzu. Wir sind auf einer längeren Strecke ohne Wasserzugang unterwegs, doch ich weiß, was ich tue. Ich schütte ein bisschen Wasser aus meiner Flasche auf den Boden. „Das ist für dich Odin!“ Ich hiefe mein Fahrrad über die Dornen und stelle es neben der Straße ab. Dann folgen meine anderen 6 Taschen. Nachdem ich mein Fahrrad gesattelt habe, warte ich beim nächsten Baum auf Jo. Als er jedoch ankommt, kann ich an seiner Miene die schlechte Laune erkennen: Heute hat er einen Platten! Als er zu flicken beginnt, stellt sich heraus, dass es mehrer Löcher sind. “ Wann hast du Odin das letzte Mal etwas geopfert?“, frage ich Jo. “ Ich habe dich gewarnt! Entzürne nicht Odin!“ Gesenkten Blickes beginnt Jo seinen Mantel zu flicken: “ Das nächste Mal werde ich direkt neben der Straße zelten. Keinen unnötigen Meter mehr weiter weg von der Straße campen!“, teilt er mir kochend mit.

Wenn der Tag mit flicken beginnt

Doch meine Wasseropferung sollte sich noch weiter auszahlen. Heute ist es nicht nur eine leichte Morgenbriese, sondern ein ordentlicher Wind, der uns unterstützt. Ich stelle auf Sportmodus um: Mit einer Durschnittsgeschwindigkeit von 32 km/h lege ich ein Tempo vor und bin dann schon nach 2,5 Stunden im nächsten Ort. Ich setzte mich unter einem Baum, hole mir frisches Wasser aus einem Wasserhahn im Park und warte auf Jo.

In einem alten Salzabbaugebiet


Was verändert sich in mir, wenn ich den Launen der Natur und oder der Landschaft ausgesetzt bin? Vor allem der starke Wind hat mich schon früh dazu getrieben, mit diesem zu reden. Bei Rückenwind wurde er gelobt, bei Gegenwind verflucht. Angelehnt an die Serien „The Vikings“ und „The Last Kingdom“, kam dann mit Jo ein Gott ins Spiel: Odin. Dieser hilft nicht nur dabei, einen Ansprechpartner für all seine Launen zu haben, sondern bringt auch ein bisschen Spaß in die Reise. Wie sich zeigen wird, sollte sich Odin seine gute Laune für unsere letzte gemeinsame Woche aufgehoben haben. Danach werden Jo und ich, wie geplant, wieder getrennte Wege gehen.


2 Kommentare

Jonathan · April 1, 2019 um 2:37 pm

Ahahaha man ! I laughed the whole time. I have the voice in my head… OOOOOODDDIN !!!
But I wonder if your fans will have the same face as the 2 Slovenians when I talked to them about Odin.

    Freddy · April 1, 2019 um 8:06 pm

    Hahah. Odin has been a big part of our trip. Guiding and protection us, sending us winds, storms, sun and rain. I hope you didn´t forget to sacrifice anything this week 🙂
    haha the 2 Slovenians just don´t know that he is around them everytime.:)
    But there faces had been legendary….

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