Am Morgen weckt mich die starke Sonne. Ich gehe aus dem Zelt, strecke mich und sehe schon von weitem einen Gaucho auf das Zelt zukommen. Wir unterhalten uns und wie einige hier, hat auch er keine Ahnung wo das Feuerland bzw. Punta Arenas liegt. Erstaunlich, denn es wäre vergleichbar, wenn Menschen aus dem Süden die Nordsee oder Hamburg nicht zuordnen könnten. Als er am Gehen ist, fragt er mich noch, ob ich ein Pferd gesehen habe. Leider nein, amigo. Er reitet davon und ich mache mich daran das Frühstück vorzubereiten. Wie immer gibt es bei mir Brot mit Honig. Meistens kaufe ich 500g-1kg Honig, welcher mir 2 Wochen reicht. Wenn der Morgen gemütlich ist, genügend Wasser und Benzin vorhanden ist, gibt es noch einen Tee dazu. Jo und ich gehören zu den absoluten Langschläfer. Sehr selten brechen wir vor 11 Uhr morgens auf. Und das auch, wenn es tagsüber über 30 Grad hat. Wir können/wollen einfach nicht anders.

Die ersten Kilometer auf dem Fahrrad gehören meistens nicht zu meinen Liebsten. Ich bin müde und die Beine sind eigentlich immer schwer. Wenn der Morgen auch noch mit einem Anstieg beginnt, ist die Laune nicht gerade die Beste. Doch das ändert sich meistens sehr schnell. Man kommt nach wenigen Minuten wieder in den Rhythmus bzw. hat eine schöne Landschaft oder nette Menschen um sich herum.

Nachdem wir die Nord-Süd-Verkehrsader „ruta 5“ überquert haben, fällt mir auf, dass diese Straße das Land an dieser Stelle in zwei Abschnitte teilt. Westlich davon wird Wald angebaut (s.h. 24-Mapuche), östlich davon wird das Wasser der Anden mithilfe von Kanallegungen für den landwirtschaftlichen Anbau genutzt. Die Kanäle bieten uns immer wieder die Möglichkeit, den Körper abzukühlen.

Wie aus dem Loch gekrochen….Aber die Abkühlung am Straßenrand lohnt sich

Als wir uns weiter den Anden zubewegen, können wir auch das sehen, was die Mapuche gerne nicht in „ihrem“ Territorium haben wollen: Wasserkraftwerke und Stauseen. Weniger die Stauseen als vielmehr die großen Hochspannungsleitungen machen der schönen Landschaft einen erheblichen Abbruch. Für mich stellt sich währenddessen ich den Paso Pehuenche hochfahre jedoch die Frage: Wie wollen wir unseren hohen Strombedarf decken? Windräder sind nicht erwünscht, Wasserkraftwerke sind nicht erwünscht, große Hochspanungsleitungen sind nicht erwünscht, Kohle ist nicht erwünscht und Atomkraftwerk schon gar nicht. Aber alle wollen sie Laptops, Fernsehen, Smartphone, etc., etc, haben. Wie wollen wir in Zukunft unseren Hunger an Elektrizität sättigen? Oder sollten wir im Allgenmeinen einmal unseren (Energie-)Konsum überdenken? Können wir auch mit weniger? Meiner Meinung wäre es schön, wenn sich Städte, Dörfer bzw. Häuser in Zukunft autark mit Strom versorgen könnten. Technisch müsste das möglich sein bzw. sollte dahingehend weitere Forschung betrieben werden.


Landschaftlich zeigt uns Chile zum Schluss noch einmal alles, was es zu bieten hat. Ich lasse einmal wieder die Bilder sprechen. Auch wenn uns der Pass viel Kraft gekostet hat, so wird mir bewusst, dass ich diese Energie selbst aufgewendet habe. Keine Hochspannungsleitung, kein Atomkraftwerk, kein Stausee war dafür nötig. Es bedarf nur dem eigenen Wille einen anderen Weg zu gehen, auch wenn er von außen betrachtet nicht der einfachste zu sein scheint. Die Belohnung gibt es währenddessen oder im Nachhinein.


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